Skandal um Anschlag in Hanau

Starben Menschen, weil der Notausgang versperrt war?

19. Januar 2021 - 11:43 Uhr

"Wenn der Notausgang offen gewesen wäre, wäre mein Sohn nicht gestorben"

Vor elf Monaten hat sich das Leben von Armin Kurtovic verändert. Sein jüngster Sohn Hamza wurde im Alter von 22 Jahren beim Anschlag in Hanau von einem rechtsextremen Täter erschossen. Seitdem hat er schlaflose Nächte, kann nicht mehr arbeiten gehen. Und jetzt stellt sich heraus, dass der Tod von Hamza möglicherweise hätte verhindert werden können. Der Notausgang – der einzige Fluchtweg – in der Arena-Bar, in der der junge Mann erschossen wurde, soll zum Tatzeitpunkt verschlossen gewesen sein. Armin Kurtovic ist sich sicher: "Wenn der Notausgang offen gewesen wäre, wäre mein Sohn nicht gestorben." Wie es Kurtovic nun geht und welche Vorwürfe er erhebt, sehen Sie im Video.

Augenzeuge berichtet von verschlossenem Notausgang in der Arena-Bar

Gedenken in Hanau
In der Nacht auf den 20. Februar 2020 tötete Tobias R. zehn Unschuldige, danach sich selbst.
© deutsche presse agentur

Piter Minnemann war während der Schüsse in der Arena Bar, hat sie unverletzt überlebt. Es waren, sagt er, offene Geheimnisse, dass dort auch Drogen verkauft und zu viele Spielautomaten aufgestellt wurden - und dass der Notausgang verschlossen war. Laut Minnemann gab es mehrfach am Tag Razzien der Polizei und, um zu verhindern, dass jemand abhaut, soll der Ausgang verschlossen worden sein.

Mehrere Angehörige der Opfer haben nun Anzeige erstattet gegen unbekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Betreiber der Arena Bar. Ein Vorwurf: Polizisten hätten angeordnet, den Notausgang abzuschließen - wegen der Drogengeschäfte. Piter habe sich in dem Moment des Anschlags wie auf einer Schlachtbank gefühlt, schließlich habe er gewusst, dass die Hintertür verschlossen und er sich somit in einer Sackgasse befindet.

Polizei will keine Notausgänge verschlossen haben

Die Polizei teile auf RTL-Anfrage mit, sie habe mit der Anordnung der Schließung eines Notausganges nichts zu tun. Auf schriftlichem Wege teilte uns die Pressestelle mit:

"Durch die Polizei ergeht niemals eine Weisung oder Aufforderung, Notausgänge zu verschließen oder auf andere Weise zu versperren. Im Gegenteil werden bei Erkennen derartiger Verstöße umgehend die zuständigen Fachdienststellen (im vorliegenden Fall wäre dies die Stadt Hanau gewesen) von uns informiert."

Wie es nun dazu kam, dass die Kunden der Arena-Bar in der Nacht auf den 20. Februar 2020 nicht vor dem Täter fliehen konnten, soll nun die Untersuchung durch die Hanauer Staatsanwaltschaft klären.