Skandal in Sachsen: Arnsdorfer Bürgerwehr fesselt psychisch kranken Flüchtling an einen Baum

3. Juni 2016 - 15:52 Uhr

Video der Tat im Netz aufgetaucht

Unglaubliche Szenen spielten sich im sächsischen Arnsdorf ab: Nach dem ein psychisch kranker Flüchtling (21) in einem Supermarkt eine Verkäuferin bedroht haben soll, tauchten plötzlich mehrere Männer in dem Geschäft auf, schlugen den Mann und zerrten ihn nach draußen. Dort wurde er mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt. Einer der feigen Angreifer soll ein früherer Bürgermeisterkandidat der CDU sein.

Video-Still
Die Männer schleifen den hilflosen Mann aus dem Geschäft.

Die Tat spielte sich schon am 21. Mai ab, wurde aber erst jetzt bekannt, da im Internet ein Video des Übergriffs aufgetaucht ist. Es endet mit den Worten einer Frau im Geschäft: "Ist schon schade, dass man eine Bürgerwehr braucht." Laut "Spiegel Online" wird der Clip in rechtsextremen Kreisen über soziale Netzwerke verbreitet und menschenverachtend kommentiert.

Polizei lässt Täter laufen

Nach Angaben der Polizei hatte der 21-jährige psychisch kranke Iraker sich in einem Netto-Markt am 20. Mai eine Telefonkarte für sein Handy gekauft. Allerdings hatte er Probleme mit der Aktivierung. Trotz mehrerer Besuche in dem Discounter konnte das Problem nicht gelöst werden – wohl wegen sprachlichen Verständigungsproblemen. In beiden Fällen wurde die Polizei gerufen, die den Mann zurück in die örtliche Psychiatrie fuhr.

Am Abend tauchte der Mann ein drittes Mal in dem Markt auf. Dabei eskalierte die Situation: Nach Angaben der Polizei überprüfte die Filialleiterin die Telefonkarte und stellte dabei fest, dass das Guthaben bereits aufgebraucht war. Der Mann soll anschließend in Rage geraten sein, eine Flasche Wein aus einem Regal genommen und damit die Filialleiterin sowie eine weitere Mitarbeiterin bedroht haben. Dabei wurde niemand verletzt, noch wurde etwas gestohlen oder beschädigt, schreibt die Polizei weiter.

Plötzlich tauchten vier Männer auf, gekleidet in schwarze T-Shirts mit dem Aufdruck "Bürgerwehr". Der Mob zerrte den hilflosen Mann nach draußen. Später fanden alarmierte Polizisten den Flüchtling gefesselt an einen Baum. Besonders skandalös: Zu diesem Zeitpunkt waren die Männer noch vor Ort, rechtfertigen ihre Tat vor den Beamten. Doch statt sie festzunehmen, schickte die Polizei sie weg. Jetzt sucht die Polizei sie wieder.

Nach Angaben der "Sächsischen Zeitung" soll es sich bei einem der Männer um Detlef Oelsner handeln, der im vergangenen Jahr als Bürgermeister-Kandidat für die CDU antrat. Der Zeitung sagte er: "Wir haben Zivilcourage gezeigt und hätten das bei jedem anderen ebenfalls getan. Auch wenn es ein Deutscher gewesen wäre." Auch die anderen drei Männer sollen im Ort nicht unbekannt sein, schreibt die "Sächsische Zeitung" weiter.

Laut Polizei wird gegen den Asylbewerber nun wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt, gegen die Männer wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung. Auch der Staatsschutz habe sich einschaltet.