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Theaterstück will mit Vorurteilen aufräumen

Skandal im konservativen Namibia: Drag Queens protestieren gegen Diskriminierung

02. März 2021 - 15:44 Uhr

Im Video: „Shaqueenza“ und „GigiHasArrived“ verdrehen allen die Köpfe

Es gibt nur ein einziges Café in Windhoek, in dem sich Colin und Roberto sicher fühlen: Sicher vor spottenden Blicken, Beleidigungen und sogar vor körperlichen Angriffen. Denn die beiden schwulen Männer treten als Drag Queens auf – und wagen sich auch geschminkt und mit High Heels auf die Straßen der namibischen Hauptstadt. Für manche Menschen im konservativen Staat in Afrika ist das ein Skandal.

Colin und Roberto wollen sich nicht mehr verstecken

Colin alias "Shaqueenza" und Roberto, der unter dem Namen "GigiHasArrived" auftritt, wollen sich nicht mehr verstecken – auch wenn sie dafür angefeindet werden. Die beiden lieben es, sich zu schminken, High Heels anzuziehen und sich schick zu machen, um als Drag Queens aufzutreten. Doch was bedeutet das eigentlich?

Was bedeutet "Drag"?

Drag Queens betonen ihre weiblichen Züge, indem sie meist sehr figurbetonte Kleider, auffälliges Make-up, High-Heels und Perücken tragen. Viele Drag Queens sind in der Schwulenszene verwurzelt und arbeiten als Künstlerinnen, Sängerinnen oder Moderatorinnen in Kneipen, Varieté-Shows oder auf Veranstaltungen. Die meisten Drag Queens sind schwule Männer, die ihre feminine Seite in der Rolle als Drag Queen betonen und ausleben – inklusive eines eigenen Namens und einer eigenen Persönlichkeit. Umgekehrt heißt es Drag King, wenn Frauen in einer festen Rolle als Mann auftreten. Drag ist dabei nicht zu verwechseln mit einer Identität als Trans-Person – also Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

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Homosexualität ist in Namibia immer noch strafbar

Erst vor kurzem wurde die gleichgeschlechtliche Ehe erneut vom Parlament in Namibia abgelehnt. Auch schwuler Sex, der in der namibischen Verfassung als "Sodomie" verunglimpft wird, steht unter Strafe, und zwar auf einer Ebene mit Mord oder Vergewaltigung. Auch wenn seit der Unabhängigkeit des Landes kein Mann mehr wegen dieses Gesetzes verurteilt wurde, hat es doch Signalwirkung – und sorgt dafür, dass viele Schwule Angst haben, öffentlich zu ihrer Sexualität zu stehen. Auch Colin und Roberto wurden für ihre Identität bereits angepöbelt und sogar geschlagen. "Wenn ich in Drag unterwegs bin, würde ich nie zur Polizei gehen – die helfen mir sowieso nicht", erklärt Colin im Gespräch mit RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault.

Nationaltheater kämpft für das Ende der Diskriminierung

Um mit Vorurteilen aufzuräumen und die Akzeptanz für queere Kultur und die LGBTQ-Szene in Namibia zu erhöhen, gibt es seit einigen Jahren eine Pride Parade in dem Land – nach dem Vorbild des "Christopher Street Day". Seit Februar sorgt außerdem eine Drag-Show am namibischen Nationaltheater für Aufsehen. Wegen der Corona-Krise wird "Boet & Sues" nur gestreamt – und trotzdem hat die Mischung aus Varieté und Talkshow etwas bewegt.

"Wir schreiben das Jahr 2021 und diese Community hat immer noch nicht die Rechte, die ihr zustehen", erklärt Lize Ehlers, die die Show mitproduziert hat. "Es ist nicht nur Drag, es ist nicht nur Entertainment – es ist so viel mehr!" Und wenn sich auch nur ein Mensch in Namibia durch die Show bekräftigt fühle, zu ihrer Identität zu stehen, dann sei schon viel erreicht. Mit dem Theaterstück soll Aufmerksamkeit geschaffen – und der Diskriminierung endlich ein Ende gesetzt werden.

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