Vorwürfe gegen Flüchtling aus Gambia

Skandal beim HSV: Spielt Bakery Jatta unter falscher Identität?

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7. August 2019 - 19:49 Uhr

Ungereimtheiten in Jattas Vita

Bakery Jatta kam 2015 als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland. Ein Jahr später unterschrieb er unter großem Medienecho seinen ersten Profivertrag beim HSV. Für die Hanseaten spielte der Mittelfelmann in der Bundesliga, momentan kämpft er mit dem Traditionsverein im Unterhaus um den Aufstieg. Doch jetzt geben Recherchen große Rätsel um seine Person auf.

Bakery Jatta soll eigentlich Bakary Daffeh heißen

Laut 'Sport Bild' soll Jatta bei seiner Einreise nach Deutschland getrickst haben und eigentlich Bakary Daffeh heißen. Fotos zeigen eine verblüffende Ähnlichkeit. Auch das Geburtsdatum Jattas soll nicht der Wahrheit entsprechen. In Deutschland gab er den 6. Juni 1998 als Geburtstadatum an, in Wirklichkeit soll er aber bereits am 6. November 1995 geboren sein. Der Vorteil: Als damals minderjähriger Flüchtling war die Wahrscheinlichkeit auf Asyl größer als bei einem Volljährigen.

Trainer erkennen Jatta wieder

Als er 2016 zum HSV kam, beteurte Jatta in einem Interview in Afrika nie professionell Fußball gespielt zu haben. Doch Fotos zeigen, wie Daffeh früher für die U20-Nationalmannschaft Gambias aufgelaufen ist. Zudem habe Daffeh für einen Erstligisten im Senegal gespielt. Zwei ehemalige Trainer in Afrika erkennen in aktuellen Jatta-Fotos den jungen Daffeh wieder. Ein weiteres Indiz: Daffehs Spitzname in Gambia war "Kanu". Auch Jatta wird so beim HSV genannt.

"Wir haben Bakery Jattas gültigen Reisepass inklusive Aufenthaltsgenehmigung vorliegen. Bakery hat sich seit seiner Ankunft bei uns als tadelloser Sportsmann und als verlässlicher Mitspieler gezeigt", äußerte sich HSV-Vorstandsboss Bernd Hoffmann schmallippig.

Behörden und DFB prüfen Fall

Nach den Meldungen zu Jatta schalten sich nun auch die zuständigen Behörden mit ein, die "den Fall intensiv prüfen und den Hinweisen nachgehen", teilte eine Sprecherin dem SID mit. Auch der DFB-Kontrollausschuss werde den Sachverhalt untersuchen, so Gremiumsvorsitzender Anton Nachreiner.

Nürnberg legt Protest ein

Der 1. FC Nürnberg reagierte ebenfalls auf die Gerüchte um die Identität von Jatta und legte beim DFB Einspruch gegen die Wertung des Zweitliga-Topspiels ein. Der HSV hatte die Partie mit 4:0 gewonnen, Jatta hatte 65 Minuten gespielt.

Das DFB-Sportgericht hat den Hamburger SV bereits kontaktiert und um eine Stellungnahme gebeten. Zu gegebener Zeit wird das Gremium dann über den Einspruch entscheiden.