Skandal-Apotheker von Bottrop zu 12 Jahren Haft verurteilt

06. Juli 2018 - 14:29 Uhr

Mitarbeiter des Apothekers deckten massenhaften Betrug auf

Der Fall hat Schlagzeilen gemacht und die Öffentlichkeit empört: Mit zu gering dosierten Krebsmedikamenten hat ein Apotheker in Bottrop die Patienten hintergangen und die Krankenkassen betrogen. Dadurch hat der Pfuscher zig Millionen Euro erbeutet. Jetzt ist in Essen das Urteil gegen den 47-Jährigen gefallen. Der Mann muss für 12 Jahre ins Gefängnis. Zudem verhängte das Gericht ein Berufsverbot.

In "Alter Apotheke" in Bottrop panschte er 62.000 Krebsmedikamente, um sich zu bereichern

dpatopbilder - Die Apotheke mit dem Namen "Alte Apotheke" fotografiert am 11.11.2017 in Bottrop (Nordrhein-Westfalen).
"Alte Apotheke" in Bottrop - von hier aus betrieb der Pfuscher sein Unwesen. Die neue Inhaberin der Apotheke hat mit der Sache nichts zu tun.
© dpa, Marcel Kusch, mku

Peter S. panschte seit 2012 laut Urteil mehr als 14.000 Krebsmedikamente (in ersten Meldungen war seinerzeit von 40.000 Fällen mit gestreckten Krebsmedikamenten die Rede). Er stellte die Arzneimittel-Zubereitungen mit deutlich weniger Wirkstoff her als verschrieben. Durch betrügerische Abrechnungen soll für gesetzliche Krankenkassen ein Schaden von rund 56 Millionen Euro entstanden sein.

Opfer und Hinterbliebene kritisierten, dass wichtige Fragen in dem Verfahren offengeblieben seien. Vor allem konnte nicht geklärt werden, wie viele Patienten unterdosierte Medikamente bekamen. Anfänglich war die Staatsanwaltschaft von mehr als 1000 betroffenen Patienten ausgegangen.

Betroffene in sechs Bundesländern

Zwei Mitarbeiter der Apotheke hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Bei einer Razzia Ende November 2016 wurde der Apotheker festgenommen und sein Speziallabor geschlossen. Die neue Inhaberin der Apotheke hat mit der Sache nichts zu tun.

In unserem Video spricht ein Opfer der Machenschaften.

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Experten fordern mehr Kontrollen von Schwerpunktapotheken für Krebsmedikamente

Als Konsequenz aus dem Skandal hatte die Stiftung Patientenschutz von Bund und Ländern schärfere Gesetze zur Kontrolle von Schwerpunktapotheken für Krebsmedikamente gefordert. Deutschlandweit gebe es 300 dieser Apotheken, erklärte Sprecher Eugen Brysch. Diese Apotheken versorgten hunderttausende Patienten.

"Unangekündigte Stichprobenkontrollen müssen viermal jährlich durch Amtsapotheker stattfinden. Zudem gilt es, nicht verbrauchte individuelle Krebsmittel zentral zu sammeln und stichprobenartig auf die Wirkstoffe zu überprüfen", forderte Brysch. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits verbesserte Regelungen bei der Apothekenüberwachung angekündigt.