Skandal-Apotheker von Bottrop erwartet Urteil: Er panschte Medikamente von 1.000 Krebs-Patienten

6. Juli 2018 - 8:38 Uhr

Mitarbeiter des Apothekers deckten massenhaften Betrug auf

Der Fall hat Schlagzeilen gemacht und die Öffentlichkeit empört: Mit zu gering dosierten Krebsmedikamenten soll ein Apotheker in Bottrop die Patienten hintergangen und die Krankenkassen betrogen haben. Vermutlich hat der Pfuscher zig Millionen Euro erbeutet. Jetzt erwartet den 47-Jährigen in Essen vor Gericht das Urteil.

In 'Alter Apotheke' in Bottrop panschte er 62.000 Krebsmedikamente, um sich zu bereichern

dpatopbilder - Die Apotheke mit dem Namen "Alte Apotheke" fotografiert am 11.11.2017 in Bottrop (Nordrhein-Westfalen).
"Alte Apotheke" in Bottrop - von hier aus betrieb der Pfuscher sein Unwesen.
© dpa, Marcel Kusch, mku

Der Apotheker soll seit 2012 fast 62.000 Krebsmedikamente (in ersten Meldungen war seinerzeit von 40.000 Fällen mit gestreckten Krebsmedikamenten die Rede) gepanscht haben. Durch betrügerische Abrechnungen soll gesetzlichen Krankenkassen ein Schaden von rund 56 Millionen Euro entstanden sein. Betroffen sind laut Staatsanwaltschaft mehr als 1.000 Krebspatienten. Dem Angeklagten drohen bis zu fünfzehn Jahre Freiheitsstrafe und ein Berufsverbot.

Betroffene in sechs Bundesländern

Der Angeklagte (M) kommt am 13.11.2017 im Landgericht in Essen (Nordrhein-Westfalen) in den Gerichtssaal. Der 47 Jahre alte Apotheker aus Bottrop soll seit 2012 fast 62 000 Krebsmedikamente gepanscht haben.
Der Angeklagte beim Prozessauftakt vor dem Landgericht in Essen.
© dpa, Marcel Kusch, mku fgj

Er soll die Arzneimittel-Zubereitungen mit deutlich weniger Wirkstoff als verschrieben hergestellt haben. Betroffen sind Patienten von 37 Ärzten, Praxen und Kliniken in sechs Bundesländern – die meisten in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Sachsen und im Saarland. Der 47-Jährige betrieb eine alteingesessene Apotheke in der Bottroper Innenstadt. Angeschlossen war ein Speziallabor für die Herstellung krebshemmender Medikamente.

Zwei Mitarbeiter der Apotheke hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Bei einer Razzia Ende November 2016 wurde der Apotheker festgenommen und sein Speziallabor geschlossen.

In unserem Video spricht ein Opfer der Machenschaften.

Experten fordern mehr Kontrollen von Schwerpunktapotheken für Krebsmedikamente

Als Konsequenz aus dem Skandal fordert die Stiftung Patientenschutz von Bund und Ländern schärfere Gesetze zur Kontrolle von Schwerpunktapotheken für Krebsmedikamente. Deutschlandweit gebe es 300 dieser Apotheken, erklärte Sprecher Eugen Brysch. Diese Apotheken versorgten hunderttausende Patienten.

"Unangekündigte Stichprobenkontrollen müssen viermal jährlich durch Amtsapotheker stattfinden. Zudem gilt es, nicht verbrauchte individuelle Krebsmittel zentral zu sammeln und stichprobenartig auf die Wirkstoffe zu überprüfen", forderte Brysch. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe bereits verbesserte Regelungen bei der Apothekenüberwachung angekündigt.