Sizilien: Reise endet, Ziel in Ferne – Migranten auf der "Diciotti" müssen im Hafen ausharren

21. August 2018 - 11:39 Uhr

Flüchtlinge auf der "Diciotti" dürfen nicht an Land

Immerhin sind sie nun von der offenen See runter. Das Land aber haben die 177 Migranten auf der "Diciotti", einem Schiff der italienischen Küstenwache, nur vor Augen, betreten dürfen sie es nicht. Nach dem Einlaufen des Schiffes im Hafen von Catania (Sizilien) geht das Tauziehen um die Aufnahme der Flüchtlinge weiter.

Salvini fordert "Antworten von Europa"

Verkehrsminister Danilo Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung hatte dem Schiff am Montag zwar die Erlaubnis für die Einfahrt in den Hafen gegeben. Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega fordert allerdings erst einmal "Antworten von Europa" bezüglich Aufnahme und Verteilung der Flüchtlinge, bevor er sie italienischen Boden betreten lassen will. Denn auf diesem sollen sie nicht dauerhaft bleiben

Italien hatte die EU-Kommission am Sonntag dazu aufgefordert, andere Mitgliedsstaaten auszumachen, die die im Meer Geretteten aufnehmen. Die Kommission ist einer Sprecherin zufolge daraufhin mit den EU-Staaten in Kontakt getreten. Seit Amtsantritt der neuen populistischen Regierung in Rom im Juni werden immer wieder Schiffe mit geretteten Migranten tagelang im Mittelmeer blockiert.

Neben Italien weigert sich auch Malta, seine Häfen für sie zu öffnen. Die beiden Länder handelten in den vergangenen Wochen mehrmals auf die Schnelle mit anderen EU-Staaten die Verteilung der Menschen aus. Auch Deutschland beteiligte sich daran.

Hilfsorganisationen kritisieren Vorgehen

Italien, Catania: Das italienische Küstenwachschiff "Diciotti" liegt im Hafen von Catania.
"Diciotti" im Hafen von Catania
© dpa, Orietta Scardino, DRN nwi

Die "Diciotti" hatte am Donnerstag 190 Migranten von einem Boot in der Such- und Rettungszone Maltas aufgenommen. Die Italiener brachten 13 Menschen, die dringende medizinische Hilfe benötigten, auf die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Die "Diciotti" sollte die anderen Migranten nach Malta bringen. Dafür wurde ihr aber von Malta die Erlaubnis verweigert.

Hilfsorganisationen kritisieren diese Vorgehensweise nicht nur, weil die geretteten und oft traumatisierten und geschwächten Menschen lange auf Schiffen im Meer ausharren müssten. Sie befürchten auch, dass durch die Ungewissheit über einen sicheren Hafen die Bereitschaft der Schiffskapitäne sinkt, Menschen von seeuntüchtigen Booten aufzunehmen.