Siri & Co.: Die digitalen Wanzen in unserem Leben

11. Februar 2015 - 19:36 Uhr

Sind wir zu spendabel mit unseren Daten?

Die fortschreitende Digitalisierung und auch der zunehmende Einsatz von Spracherkennung werfen vor allem eine Frage auf: Wie viel wollen wir freiwillig von uns preisgeben? Und wie viele unserer Daten liefern wir den Softwareriesen, ohne dass wir groß darüber nachdenken? Immer mehr smarte Geräte haben Kameras und Mikrofone und registrieren Worte und Gesten ihrer Nutzer.

Siri & Co.: Die digitalen Wanzen in unserem Leben
Apple speichert die Daten, die der Konzern über die Sprachfunktion 'Siri' sammelt, nach eigenen Angaben zwei Jahre lang.
© dpa, Peter Kneffel

Jüngst sorgte ein Satz im Kleingedruckten von Samsung für große Aufregung. "Wenn ihre gesprochenen Worte persönliche und sensible Informationen enthalten, dann seien Sie sich bitte bewusst, dass diese Informationen zu den Daten gehören, die erfasst und im Rahmen der Spracherkennung an Dritte übertragen werden." Das dementierten die Südkoreaner zwar inzwischen. Alles halb so wild – es werde nur mitgehört, wenn die Funktion aktiviert wird.

Der Spion in den eigenen vier Wänden

Zurück bleibt jedoch die Unsicherheit beim Verbraucher. Sind wir zu spendabel mit unseren Daten? Denn Smart-TVs sind nicht die ersten und einzigen Geräte, die ihren Nutzern zuhören, deren Worte per Internet weiterleiten und analysieren. 2013 bekam Microsoft mit der Einführung der Xbox große mediale Aufmerksamkeit – doch nicht nur im positiven Sinne. Ursprünglich wollte der Konzern nämlich die damals als so revolutionär angepriesene Kamerafunktion des Geräts immer aktiviert lassen. Sprich: Keine Bewegung vor der Box wäre unbeobachtet gewesen. Nach einem medialen Aufschrei änderte man dann ganz schnell den Plan. Aber: Wenn die Funktion aktiviert ist, verwandelt sich die Xbox trotzdem in einen Wohnzimmer-Spion und filmt und lauscht mit, was vor dem Gerät passiert.

Ähnlich funktioniert die Echo-Box von Amazon. Sie spielt auf Zuruf Musik und beantwortet Fragen mithilfe des Internets. Dafür aber sind die elektronischen Ohren ständig gespitzt. "Damit wird definitiv eine Wanze ins Haus geholt. Im Grunde ist kein Wort mehr im Haus vertraulich möglich", meint Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein.

Doch im Grunde haben wir unsere digitale Wanze fast alle rund um die Uhr bei uns: Unser Smartphone. Apple zum Beispiel speichert die Daten, die wir 'Siri' preisgeben, zwei Jahre lang – angeblich, um die Spracherkennung zu verbessern. "Wenn Sie Siri und die Diktierfunktion verwenden, wird alles, was Sie sagen bzw. diktieren, aufgezeichnet und an Apple gesendet, damit die Anfragen verarbeitet werden können", heißt es in Apples Richtlinien.

Das größte Problem ist aber wohl, dass sich viele Menschen darüber kaum Gedanken machen und sogar freiwillig persönliche Daten, über Körperfunktionen, Aufenthaltsort und sonstige Befindlichkeiten preisgeben.