Stadtrat beschließt Alkoholverbot in der Duisburger Innenstadt

11. Mai 2017 - 11:33 Uhr

Innenstadt wird trocken gelegt

Mit einem Feierabendbier nach Hause schlendern oder gemeinsam mit Freunden auf einer Bank in der Sonne sitzen und sich ein Schlückchen genehmigen – das ist in Duisburg bald verboten. Der Stadtrat hat beschlossen in der Innenstadt Alkohol komplett aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Plätze, Einkaufsstraßen und weitere Teile des Stadtzentrums werden trockengelegt, wie lokale Medien berichten.

Die Trinkerszene am Kuhtor war den örtlichen Café- und Ladenbesitzern schon lange ein Dorn im Auge. Aggressive Betrunkene, Pöbeleinen, Urinieren in der Öffentlichkeit und unschöne Pfützen von Erbrochenem – all das wollten die Einzelhändler und Gastronomen nicht mehr sehen. Sie fürchteten, dass Kunden abgeschreckt werden könnten. Die Stadt hat ihre Bitten nun erhört.

Verbot gilt testweise für ein halbes Jahr

Keine Pöbeleien, Wildpinkler und Dreck mehr in Duisburgs Innenstadt
Pöbeleien, Wildpinkler und Dreck - damit soll in Duisburg bald Schluss sein.
© dpa, Axel Heimken

In einer Ratssitzung wurde beschlossen, etwas gegen die Süchtigen zu unternehmen. Wer an der Flasche hängt, muss in Zukunft woanders hin – zumindest vorerst. Denn das Verbot gilt ab dem 16. Mai testweise erst einmal für ein halbes Jahr. Danach wird entschieden, ob es verlängert oder sogar noch ausgeweitet werden soll.

Ausgenommen von dem Alkoholbann ist allerdings die Außengastronomie. Ein Bier auf der Terrasse eines Cafés oder im Biergarten bleibt erlaubt, ein Bier auf der Bank daneben ist verboten. Auch für Weihnachtsmärkte oder Stadtfeste soll es Sondergenehmigungen geben, dass dort weiterhin Alkohol ausgeschenkt werden darf. Ansonsten herrscht in Duisburg erst einmal Prohibition.

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Kritik am Alkoholverbot

Stadtrat will Trinkerszene aus der Innenstadt verbannen
Die örtlichen Ladenbesitzer fühlten sich durch die Trinkerszene gestört.
© picture-alliance/ dpa, Frank May

Auch in Herne gilt seit Sommer 2016 ein ähnliches Alkoholverbot. Auch dort ging es der Stadt darum, die örtliche Trinkerszene zu vertreiben. In Herne habe man gute Erfahrungen mit dem Verbot gemacht. Die Alkoholikergruppen würden sich nun nicht mehr im Stadtzentrum aufhalten, auch die Pöbeleien seinen weniger geworden, berichtete der Sender WDR.

SPD, CDU und FDP im Stadtrat winkten das Verbot durch. Kritik kam von den Grünen und den Linken, sie waren der Ansicht, dass ein Verbot das Trinker-Problem der Stadt nicht löst, sondern nur verlagert. Wenn man Alkoholiker aus dem Stadtzentrum verbannt, treffen sie sich eben irgendwo anders. "Das geplante Alkoholverbot in der Innenstadt ist ein Weg in die falsche Richtung und treibt die Spaltung unserer Stadtgesellschaft weiter voran", erklärte Martina Ammann-Hilberath, Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion Die Linke in Duisburg.

"Die Stadt gehört allen"

Auch von Menschen, die sich in Biergärten oder auf Stadtfesten betrinken, könne Gefahr ausgehen. Und ganz könne man Pöbeleien oder andere Störungen auch mit einem Alkoholverbot nicht aus der Stadt verbannen. Denn wer wirklich Unruhe stiften will, kann sich auch woanders betrinken und dann in die Innenstadt zurückkehren, argumentieren die Gegner des Verbots. Wenn die Süchtigen ein Problem darstellen, müsse man mit konkreten Hilfsmaßnahmen, nicht mit Verboten reagieren.

Auch das Diakoniewerk Duisburg kritisierte das Alkoholverbot scharf und bezeichnete es als "diskriminierende Maßnahme" gegen eine verschwindend kleine Gruppe Suchtkranker. Dem Stadtrat gehe es offenbar darum nur darum die Süchtigen aus dem Stadtbild zu verdrängen. Das Argument, dass man den Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit geben wolle, sei vorgeschoben, weil es weitaus gefährlichere Stadtteile gebe. "Die Stadt gehört allen und wir müssen lernen, dass nicht nur alles das gut und richtig ist, was gutbürgerlich geordnet scheint", erklärte Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerks Duisburg.