Simbach am Inn: Asylbewerber helfen Unwetteropfern

© dpa, Peter Kneffel

7. Juni 2016 - 11:39 Uhr

"Jetzt können wir etwas zurückgeben. Das tut gut."

Naja Al Hassas steht vor völlig verschlammten Turnschuhen. Das ehemals weiße Paar ist vom grau-braunen Schlamm verkrustet. Er steigt barfuß hinein, streift Handschuhe über und greift sich eine Schaufel. 50 Meter von seiner Asylbewerber-Unterkunft in Simbach am Inn entfernt steht er mitten im Chaos. Müll- und Schlammberge türmen sich auf. Schon am Vortag hatte er von 7:00 Uhr in der Früh bis zur Dunkelheit den Nachbarn geholfen. Trotz Muskelkaters packt der 30-Jährige auch am nächsten Morgen wieder an.

Sein Freund Mouath, der wie insgesamt 25 Syrer unter den Helfern ist, übersetzt: "Wir haben von den Menschen in Simbach so viel Hilfe bekommen, jetzt können wir etwas zurückgeben. Das tut gut." Die Männer wollen Teil der Gemeinschaft werden. Mit jeder Schaufel voll Dreck, die sie aus den verschlammten Häusern bringen, haben sie das Gefühl, diesem Ziel näher zu kommen. "Wir wissen, was es heißt, in einem Krisengebiet zu leben und das eigene Haus zu verlieren", erklärt Naja Al Hassas.

"Das ist der beste Weg zur Integration. Sie lernen sogar hier ein paar Worte Deutsch", erklärt Jana Kirchner, deren Spielhalle von der Flutwelle am Mittwoch komplett zerstört wurde. Sie ist begeistert von den syrischen Helfern. "Sie sind gut drauf und sorgen mit ihrem ständigen Lächeln für gute Stimmung." Und die ist bitter nötig. Zwar ist das Wasser aus der Innenstadt in Simbach am Inn herausgelaufen, aber noch immer steht der Schlamm knöcheltief in den Straßen - in den Kellern und im Erdgeschoss der Häuser sogar knietief.

"Wir brauchen jede helfende Hand. Ohne freiwillige Helfer wäre das gar nicht zu schaffen", betont der Bürgermeister des bayerischen Städtchens, Klaus Schmid (CSU). Über die sozialen Netzwerke hat sich ein Helferkreis organisiert, am Donnerstag waren bereits bis zu 500 Menschen aus der Umgebung gekommen, um die verzweifelten Bürger zu unterstützen.

Auch in Braunsbach - der vom Hochwasser verwüsteten Stadt in Baden-Württemberg - packen Flüchtlinge mit an. Sie seien gemeinsam mit anderen Helfern damit beschäftigt, Häuser zu reinigen, Keller von Schlamm zu befreien oder Straßen freizuschaufeln, sagt Gemeinderätin Danica Göhler. Und die Frauen schmierten Brötchen und verteilten Essen und Getränke. Die Asylbewerber kommen aus einer Flüchtlingsunterkunft im nahegelegenen Crailsheim.