Trotz Goldmedaille: Mini-Prämie für die Frauen

Preisgeld-Farce bei der WM: Skispringer kassieren siebenmal mehr als die "Golden Girls" Carina Vogt und Co.

27. Februar 2019 - 11:17 Uhr

Skispringerinnen verdienen deutlich weniger als die Männer

Was für ein Triumph! Die deutschen Skispringerinnen haben bei der ersten Austragung eines WM-Teamwettkampfes Gold geholt. Finanziell hat sich der Sieg für das klar favorisierte Quartett mit der viermaligen Weltmeisterin Carina Vogt, Katharina Althaus, Juliane Seyfarth und Ramona Straub aber kaum gelohnt– ihre männlichen Kollegen kassieren das 7-fache (!) an Preisgeld.

Nur 14 Prozent der Männer-Prämie

Ist das fair? Magere 5.000 Franken (ca. 4.400 Euro) schüttet der Ski-Weltverband FIS im Teamwettbewerb der WM in Seefeld/Österreich für die 'Golden Girls' aus – macht 1.100 Euro pro Nase. Eine Goldmedaille bei den Männern ist dagegen 31.000 Euro (7.750 Euro pro Springer) wert.

Man mag argumentieren, dass das Teamspringen (aufgrund des Booms beim Frauen-Skispringen) erst kurzfristig ins WM-Programm aufgenommen wurde.

Aber: Auch im schon seit 2013 etablierten WM-Einzelspringen erhalten die Frauen deutlich weniger Geld. Markus Eisenbichler bekam für seinen Weltmeistertitel 25.000 Euro, die beste Frau muss sich dagegen mit 7.000 Euro begnügen – das sind nur 28 Prozent der Männer-Prämie.

Eisenbichler fordert Gleichstellung

24.02.2019, Österreich, Seefeld: Ski nordisch, Weltmeisterschaft, Skispringen, Teamspringen, Herren. Markus Eisenbichler (l-r), Stephan Leyhe, Richard Freitag und Karl Geiger aus Deutschland jubeln nach der Siegerehrung mit ihren Goldmedaillen. Foto:
Eisenbichler (l.) wünscht sich faire Bezahlung für Frauen
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc hak

Die deutschen Skispringerinnen wollten sich dazu vor ihrem Gold-Coup nicht äußern. Dafür forderte Eisenbichler eine zügige Gleichstellung. "Ich wäre da schon dafür. Das Problem ist, dass wir Sportler da keine Entscheidungsgewalt haben", sagte der Doppel-Weltmeister.

DSV sucht nach Erklärungen

Den Versuch einer Erklärung für die Ungleichbehandlung gibt Karin Orgeldinger ab. "Das hat damit zu tun, dass das Skispringen der Frauen eine relativ junge Sportart ist, verglichen mit dem Männerspringen", sagte die DSV-Sportdirektorin der Bild.

Im Langlauf werden für Frauen und Männer dagegen längst identische Prämien ausgezahlt.

Im Tennis und bei Olympia gibt’s für alle gleich viel Geld

MELBOURNE, AUSTRALIA - JANUARY 15:  Serena Williams of the United States in action in her first round match against Tatjana Maria of Germany during day two of the 2019 Australian Open at Melbourne Park on January 15, 2019 in Melbourne, Australia. (Ph
Verdient bei den Grand-Slam-Turnieren genauso viel wie die Männer: Tennis-Star Serena Williams.
© Getty Images, Bongarts

Die Preisgeld-Verteilung für Frauen und Männer ist jedoch in vielen Sportarten immer wieder ein Streitpunkt. Bei den Grand-Slam-Turnieren im Tennis kassieren die Frauen beispielsweise genauso viel Geld wie die Männer. Da sie ihre Matches aber deutlich schneller absolvieren, werden immer wieder Stimmen laut, die mehr Geld für die Männer fordern.

Nach dem Gleichstellungsprinzip handelt auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Für Medaillen und gute Platzierungen erhalten Frauen und Männer bei Olympia grundsätzlich gleich viel Geld.

Träumen können von solchen Regelungen dagegen nur Sportlerinnen im Fußball, Radsport, beim Basketball, Handball oder im Eishockey, wo die Männer teilweise hundertmal mehr verdienen.