Siegaue-Prozess in Bonn: Eric X. zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

Während des Siegaue-Prozesses war der Angeklagte Eric X. an Händen und Füßen gefesselt.
Während des Siegaue-Prozesses war der Angeklagte Eric X. an Händen und Füßen gefesselt.
© dpa, Henning Kaiser, hka gfh

19. Oktober 2017 - 19:42 Uhr

Vor den Augen des Freundes zum Sex gezwungen

Eric X. muss für elf Jahre und sechs Monate in Haft. Das Landgericht Bonn verurteilte den Ghanaer wegen der Vergewaltigung einer Studentin. Eric X. hatte die 23-Jährige im April beim Zelten mit ihrem Freund in der Bonner Siegaue überfallen, mit einer Astsäge bedroht und zum Sex gezwungen.

"Besonders schwere Vergewaltigung" in der Bonner Siegaue

ARCHIV - Die Bonner Siegaue, aufgenommen am 4.4.2017 bei Troisdorf (Nordrhein-Westfalen). Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Ein junges Paar geht zelten, nachts wird es überfallen. Der Täter vergewaltigt die junge Frau vor den Augen ihres Freun
Die Bonner Siegaue, Schauplatz des Verbrechens.
© dpa, Volker Lannert, vla fdt

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 31-Jährige dem Paar Geld und eine Lautsprecherbox gestohlen und dann die Frau in der Nähe des Zeltes vergewaltigt hat. Die Anklage der Staatsanwaltschaft hatte auf besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit räuberischer Erpressung gelautet. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 13 Jahren gefordert.

Siegaue-Prozess: Eric X. beschimpft Opfer als "Prostituierte"

Der Angeklagte Eric X. sitzt am 19.10.2017 vor der Urteilsverkündung im Prozess wegen der Vergewaltigung einer Camperin im Landgericht in Bonn (Nordrhein-Westfalen) im Gerichtssaal. Für die Vergewaltigung einer Camperin in Troisdorf bei Bonn ist der
Erik X. bei der Urteilsverkündung im Bonner Landgericht.
© dpa, Henning Kaiser, hka sab

Der Asylbewerber aus Ghana hatte die Tat bis zuletzt bestritten. Im Prozess fiel er wiederholt durch sein aggressives Verhalten auf. Die erdrückende Beweislast - eine DNA-Expertin sagte aus, dass die Spermaspuren am Opfer "mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Milliarden zu eins" von ihm stammten, ignorierte er. Sein Opfer bezeichnete Eric X. zu Prozessbeginn als "Prostituierte".

Der 31-Jährige, der im Prozess zuvor mehrfach aufbrausend geworden war, nahm das Urteil ohne äußerliche Regung entgegen. Sein Verteidiger kündigte an, dass sein Mandant Revision einlegen wolle. 

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Besonnene Reaktion des Opfers

Bei der Aussage der jungen Frau hatte das Gericht die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Eine Kripobeamtin schilderte in der Verhandlung, dass die Studentin geistesgegenwärtig reagiert habe. Sie habe sich nicht gegen den Täter gewehrt und ihren Freund aufgefordert, sein Messer stecken zu lassen und die Polizei zu rufen.

Der Fall hatte nicht nur wegen der Brutalität des Verbrechens großes Aufsehen erregt. So hatte eine Polizistin dem Freund des Opfers, als der den Notruf alarmierte, auf seine Meldung "Meine Freundin wird gerade vergewaltigt" entgegnet: "Sie wollen mich nicht verarschen, oder?" Bei einem zweiten Notruf wurde er an eine andere Polizeidienststelle verwiesen. Die Beamten dürfen seit dem gravierenden Fehler nicht mehr in der Leitstelle der Polizei arbeiten.