14. Juli 2018 - 16:48 Uhr

Aufschlag-Giganten liefern sich erbittertes Match

6:36 Stunden, das drittlängste Match aller Zeiten, ein fast dreistündiger fünfter Satz und insgesamt 102 Asse – Kevin Anderson und John Isner lieferten sich bei ihrem Halbfinale in Wimbledon ein Spiel für die Tennis-Geschichtsbücher. Mit dem besseren Ende für Federer-Bezwinger Anderson.

Fünfter Satz dauert 2:55 Stunden

Sie spielten und spielten und spielten … – bis John Isner im fünften Satz eines epischen Wimbledon-Halbfinales gegen Kevin Anderson beim Stand von 24:24 (!) die Kräfte verließen und der Amerikaner sein Service abgab. Wenige Minuten später stand der Südafrikaner Anderson als erster Finalist der All England Championships fest – allein der entscheidende fünfte Durchgang hatte 2:55 Stunden gedauert.

Insgesamt droschen sich die beiden Aufschlag-Giganten (Isner 2,08 Meter, 52 Asse – Anderson 2,03 Meter, 49 Asse) 6:36 Stunden die gelbe Filzkugel um die Ohren, ehe das 7:6, 6:7, 6:7, 6:4, 26:24 für Anderson feststand. Der 32-Jährige trifft im Endspiel auf Novak Djokovic (Serbien), der das nicht minder aufreibende Legenden-Duell mit Rafael Nadal (Spanien) nach 5:15 Stunden mit 6:4, 3:6, 7:6, 3:6, 10:8 für sich entscheiden konnte. Das Match war am Freitagabend vor dem vierten Satz unterbrochen worden.

Kevin Anderson: Fühlt sich an wie ein Unentschieden

LONDON, ENGLAND - JULY 13:  John Isner of The United States (L) and Kevin Anderson of South Africa leave Centre Court after their Men's Singles semi-final match on day eleven of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at All England Lawn Tennis and C
Trauer bei John Isner, verhaltene Freude bei Kevin Anderson: Die Halbfinal-Rivalen von Wimbledon kennen sich seit College-Zeiten.
© Getty Images, Bongarts, rd

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn man unter diesen Bedingungen ein so langes Match spielt, dann fühlt sich das an, wie ein Unentschieden. Aber es musste heute einen Sieger geben", murmelte Anderson völlig entkräftet und dachte sichtlich gerührt an den unterlegenen Isner, mit dem er seit gemeinsamen College-Tagen in den USA befreundet ist: "John ist ein toller Typ, ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich diese Niederlage für ihn anfühlen muss."

Der Hüne aus Südafrika regte an, das traditionelle Wimbledon-Format zu ändern. Beim prestigeträchtigsten Grand-Slam-Turnier auf dem "Heiligen Rasen" von London wird im fünften Satz seit jeher kein Tiebreak gespielt. "Ich bin zwar sehr glücklich, aber nach so einem langen Spiel fühlt es sich gar nicht mehr so toll an", sagte Anderson. Im Viertelfinale hatte Anderson sensationell Wimbledon-König Roger Federer vom Thron gestoßen.

Anderson und Isner geben's sich - Novak Djokovic murmelt

In der Tennis-Geschichte hat es überhaupt nur zwei Spiele gegeben, die noch länger dauerten als das Anderson-Isner-Epos. Im Jahr 2010 gaben sich der Franzose Nicolas Mahut und – Obacht – natürlich Marathon-Mann Isner über drei Tage (!) und 11:05 Stunden Saures, ehe es "Game, set and match Isner" hieß. 2015 zog sich eine Davis-Cup-Partie zwischen Leonardo Mayer aus Argentinien und dem Brasilianer Joao Souza 6:43 Stunden hin.

Während Isner und Anderson den fein geschnibbelten Rasen auf dem Centre Court umgruben, wurde das zweite Halbfinale zwischen den Tennis-Ikonen Djokovic und Nadal immer wieder aufs Neue nach hinten verschoben. Wie sich Djokovic die Zeit vertrieb, ließ der Serbe via Instagram-Story wissen: Er hockte in seiner Kabine und spielte mit Murmeln.