Sieben Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: Noch immer melden sich traumatisierte Opfer

19. November 2017 - 16:16 Uhr

Viele kämpfen immer noch mit den Folgen des Unglücks

Das Loveparade-Unglück in Duisburg, bei dem im Gedränge 21 Menschen starben, ist inzwischen über sieben Jahre her. Viele Überlebende kämpfen auch heute noch mit den Folgen des tragischen Tages. Noch immer melden sich traumatisierte Menschen bei der Loveparade-Stiftung. Darunter auch mehrere schwere Fälle.

So leben die Betroffenen nach der Loveparade-Katastrophe

Nicht nur für die Angehörigen der Todesopfer hat der 24. Juli 2010 alles verändert, wie Sie im Video sehen können. Auch viele Augenzeugen haben bis heute Probleme, weil sie das, was sie am Unglückstag gesehen und erlebt haben, nicht verarbeiten können. "Einige sind ganz aus der Bahn geworfen und haben ihren Job verloren", erklärte Jürgen Widera, Vorstand der 'Stiftung Duisburg 24.7.2010'.

Ein Mann habe Probleme, weil er seit der Katastrophe seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und er Schwierigkeiten habe, seine Berufsunfähigkeit anerkannt zu bekommen. Ein anderes Opfer konnte erst seit diesem Jahr wieder arbeiten – zunächst aber nur zwei Stunden pro Woche. Und ein Student könne bis heute kaum seine Wohnung verlassen und sich unter Menschen begeben.

Die Betroffenen des Unglücks sind nach Angaben der Stiftung über das gesamte Bundesgebiet verteilt. "Es hat mich schon ein bisschen erschreckt, dass es Menschen gibt, die so schwer belastet sind, von denen wir überhaupt nichts gewusst haben", sagte Widera. Viele Opfer sind bis heute in Therapie.

Loveparade-Prozess könnte für viele Wunden wieder aufreißen

In dem Gedränge am Zugang zum Veranstaltungsgelände waren damals 21 Menschen erdrückt worden, über 650 wurden verletzt. Am 8. Dezember 2017 beginnt ein Prozess gegen sechs Verantwortliche der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters 'Lopavent'. Die Verhandlungstage könnten für die Betroffenen noch einmal aufwühlend werden. "Beispielsweise, wenn die Bilder von der Katastrophe gezeigt werden. Wenn Eltern mit den Bildern ihrer toten Kinder konfrontiert werden, kann alles Mögliche passieren, bis hin zur Retraumatisierung", sagte Widera.

Viele Hinterbliebene und Opfer planen, den Prozess zu verfolgen, weil sie sich endlich Aufklärung erhoffen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Das Landgericht Duisburg hat sogar eigens einen Messesaal in Düsseldorf angemietet, um alle Menschen, die die Verhandlungen besuchen wollen, unterzubringen. Ein Urteil soll frühestens im Dezember 2018 fallen. Für die Angehörigen und Überlebenden stehen an jedem Prozesstag zwei Notfallseelsorger bereit.