"Sie werden dafür zahlen" – Erdogan feiert klaren Wahlsieg in der Türkei

31. März 2014 - 15:11 Uhr

"Die AKP ist Sieger dieser Wahl. Alle anderen haben verloren."

Die Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei den Kommunalwahlen in der Türkei einen klaren Sieg errungen. Nach Auszählung von knapp 98 Prozent der abgegebenen Stimmen komme die AKP landesweit auf 45,5 Prozent, berichtete der Fernsehsender CNN Türk. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei (CHP) lag bei rund 27,9 Prozent. Auch in der Metropole Istanbul führte die AKP laut CNN Türk kurz vor dem Ende der Auszählung deutlich. Enger war der Ausgang hingegen in der Hauptstadt Ankara.

"Sie werden dafür zahlen" – Erdogan feiert klaren Wahlsieg in der Türkei
Freude bei Erdogan-Anhängern
© REUTERS, UMIT BEKTAS

Erdogan wertete den Ausgang der Kommunalwahlen in der Türkei als großen Sieg für seine islamisch-konservative AKP. Nach einem Jahr heftiger politischer Auseinandersetzungen sagte Erdogan in der Nacht zum Montag vor jubelnden Anhängern in der Hauptstadt Ankara, er werde an seinem Kurs festhalten. Seinen Gegnern warf er vor, sie hätten Chaos verbreiten wollen und die Interessen des Landes verraten. Er drohte: "Sie werden dafür zahlen." In einer Rede vom Balkon des AKP-Hauptquartiers aus sagte er zum Sieg seiner Partei: "An den Urnen haben heute die Demokratie und der freie Wille gewonnen."

Noch während der Auszählung war es zu heftigem Streit zwischen AKP und CHP gekommen. Die Kandidaten der Parteien beanspruchten den Sieg in Istanbul und Ankara jeweils für sich. Beide Seiten warfen sich gegenseitig Manipulationen vor. Vizeregierungschef Bülent Arinc (AKP) sagte: "Die AKP ist Sieger dieser Wahl. Alle anderen haben verloren."

Nach einem monatelangen heftigen Machtkampf zwischen Erdogan und seinen Gegnern entschieden in der Türkei erstmals seit fast drei Jahren wieder die Wähler. Die Kommunalwahlen galten als Stimmungstest für Erdogan, der sich im August nach mehr als zehn Jahren an der Regierungsspitze zum Staatspräsidenten wählen lassen will.

Tote bei Auseinandersetzungen

Der Abstimmung war ein ungewöhnlich scharf geführter Wahlkampf vorausgegangen. Dabei ging es um Korruptionsskandale und Vorwürfe des Machtmissbrauchs der islamisch-konservativen Regierung.

Bei Auseinandersetzungen am Wahltag wurden mindestens acht Menschen getötet. In zwei Ortschaften der südlichen Provinzen Hatay und Sanliurfa habe es Schießereien zwischen Angehörigen einzelner Kandidaten gegeben, berichteten türkische Fernsehsender. In mehreren anderen Wahllokalen kam es zu Übergriffen.

Aktivisten berichteten zudem über Anzeichen von Wahlbetrug. Türkische Medien berichteten, die Polizei habe ihre Einsatzkräfte rund um den Istanbuler Taksim-Platz verstärkt, um auf mögliche Proteste vorbereitet zu sein. Die Spannungen hatten sich verschärft, während türkische Medien widersprüchliche Ergebnisse veröffentlichten.

Mit drastischen Maßnahmen gegen echte oder vermeintliche Gegner aus dem eigenen religiös-konservativen Lager war Erdogan zuletzt auch international in die Kritik geraten. Er hatte den Zugang zum Kurznachrichtendienst Twitter und zur Videoplattform YouTube sperren lassen, um unliebsame Veröffentlichungen zu unterdrücken. Erdogans Gegner nutzten das Internet wiederholt für Enthüllungen.

Die CHP wollte Erdogans AKP vor allem die für die Machtverhältnisse im Land besonders symbolträchtigen Bürgermeisterämter in Istanbul und Ankara abnehmen. Bei der Parlamentswahl im Juni 2011 hatte die AKP fast 50 Prozent der Stimmen erhalten. Bei den Kommunalwahlen 2009 waren es landesweit knapp 39 Prozent gewesen.