Sie starben vor 75 Jahren im Kampf gegen die Nazis: Erinnerung an Hans und Sophie Scholl

Deutschland: Hans und Sophie Scholl (undatierte Aufnahmen)
Die Weiße Rose kämpfte gegen das Nazi-Regime: Hans und Sophie Scholl
rf vbm hpl kri bwe, dpa, -

Geschwister Scholl starben durch die Guillotine

Heute vor 75 Jahren, am 22. Februar des Jahres 1943, knallte das Fallbeil der Guillotine auf ein junges Geschwisterpaar nieder. Zum Tode verurteilt von einer der vielen und schlimmsten der grässlichen Fratzen eines dem Nazi-Regime unterworfenen Justizapparates. Sein Name soll hier ungenannt bleiben, wie die aller anderen, die für den Tod des Paares mitverantwortlich sind. Die Geschwister hießen Sophie und Hans, ihr Nachname war Scholl. Sie gehören zu den bekanntesten Widerstandskämpfern der Nazi-Zeit. Mit Flugblättern und Anti-Hitler-Parolen wehrten sie und ihre Gruppe 'Die Weiße Rose' gegen das NS-Regime. Dieses Regime wusste sich gegen Hans, Sophie und viele ihrer Freunde nur zu helfen, indem es sie ermordete.

"Es lebe die Freiheit!"

"Freiheit" schrieb Sophie Scholl damals auf die Rückseite ihrer Anklageschrift. Jenes Wort, das auch auf den Flugblättern stand, die sie mit ihrem Bruder und den anderen Mitstreitern gegen die Schreckensherrschaft von Adolf Hitler verteilt hatte. Für die Freiheit starben sie schließlich, unter dem Fallbeil im Gefängnis München-Stadelheim. Zuerst musste Sophie ihren letzten Gang antreten, dann ihr älterer Bruder. Seiner Überzeugung gab er in seinen letzten Worten Ausdruck. Sie sollten den Generationen, die den Despoten letztlich überwanden, ein demokratisches Deutschland aufbauten und nun für die Zukunft bewahren sollen, als Erbe mit auf den Weg gegeben werden: "Es lebe die Freiheit!"

Vom Hausmeister ausgeliefert

Eine weiße Rosen aus Papier liegt im Hans und Sophie Scholl-Gymnasium auf einem Blatt mit einem Zitat. Die Schüler erinnern an Hans und Sophie Scholl, die 1943 wegen ihres Widerstands gegen die Nationalsozialisten
Gedenken an die Geschwister Scholl an einer Schule in Ulm
ssd cul, dpa, Sina Schuldt

Nur vier Tage zuvor war das das Schicksal der beiden Widerstandskämpfer besiegelt worden:

Am 18. Februar 1943 betreten Hans und Sophie Scholl mit einem Koffer voller Flugblätter die Münchner Universität, an der er Medizin und sie Biologie und Philosophie studiert. Es ist das sechste Flugblatt der 'Weißen Rose': "Im Namen des ganzen deutschen Volkes fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück", heißt es darin.

Der Hausmeister beobachtet, wie die Geschwister die Flugblätter von der Balustrade des Lichthofes im Foyer der Universität fallen lassen und liefert sie der Gestapo aus. Noch am selben Tag werden Sophie und Hans verhaftet - damals sind die beiden erst 21 und 24 Jahre alt. Der Stein kommt ins Rollen. Zwei Tage später wird auch Mitstreiter Christoph Probst (23) in Haft genommen, weil die Gestapo einen Flugblatt-Entwurf von ihm bei Hans Scholl findet. Der Vater von drei Kindern stirbt am gleichen Tag wie die Geschwister. Später im Jahr töten die Nazis auch die 'Weiße Rose'-Mitglieder Alexander Schmorell, Willi Graf und Professor Kurt Huber. Letzter war der Verfasser des schicksalhaften sechsten Flugblatts.

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"Ich bereue meine Handlungsweise nicht und will die Folgen auf mich nehmen"

Grundlage für das Todesurteil der Geschwister unter anderem wegen "Wehrkraftzersetzung" sind Gestapo-Vernehmungsprotokolle. Zwei Kommissare verhören die beiden tagelang getrennt voneinander. Erst als Sophie vom Geständnis ihres Bruders erfährt, ist sie bereit, selbst eines abzulegen. "Ich bereue meine Handlungsweise nicht und will die Folgen auf mich nehmen", sagt sie.

Das Urteil überrascht niemanden in Nazi-Deutschland: "Der Gauleiter bittet, die Aburteilung in den nächsten Tagen hier und die Vollstreckung alsbald darauf vorzunehmen" laut die Anweisung an das Gericht, noch bevor der Schauprozess überhaupt begonnen hat.

"Wir schweigen nicht"

Weiße Rose vor den Gräbern von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst
Gräber von Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst dem Friedhof Perlacher Forst in München-Obergiesing
imago stock&people, imago/Reinhard Kurzendörfer

Bis zu der Festnahme und Verurteilung der Geschwister Scholl hatte die Gestapo keine Spur zu jener geheimnisvollen Widerstandsbewegung, die nachts Flugblätter in München verteilte und Anti-Hitler-Parolen an Hauswände schrieb. Die ‚Weiße Rose‘ hatte ihre Aktivitäten nach der verheerenden Schlacht von Stalingrad mit Hunderttausenden toten Soldaten verstärkt. Mit den Aktionen versuchten sie eine Welle des Widerstands gegen das NS-Regime auszulösen.

Ihr viertes Flugblatt enthielt einen Satz, der wie die letzten Worte von Hans Scholl ewig nachhallen soll: "Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe."