Fünf Tage lang kein Essen

Sie sollten keinen Folgeantrag stellen: Ungarn lässt Asylbewerber aushungern

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15. Februar 2019 - 16:12 Uhr

Hungern in Transitzone

Ungarn möchte es Flüchtlingen im Land so ungemütlich wie möglich machen. Aber was nun in einer sogenannten Transitzone passiert ist, ging zu weit. Dort verweigerte das Personal einem Iraker und seiner Frau fünf Tage lang das Essen. Sie wollten sie offenbar aushungern und sie so davon abhalten, gegen die Ablehnung Berufung einzulegen. Obwohl sie eigentlich das Recht dazu gehabt hätten. Währenddessen wurden ihre drei Kinder weiter verpflegt.

Menschenrechtler sprechen von Folter

Die beiden Eltern hatten Glück, dass der Fall vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landete. Der griff ein, erließ eine Eilverfügung, um die Familie aus ihrer menschenunwürdigen Situation zu befreien. Ungarische Menschenrechtler sprechen gar von Folter. Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas in Ungarn passiert ist. Vergangenes Jahr sollen acht Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien in der Transitzone gehungert haben. Damals wie jetzt handelte es sich um Flüchtlinge, deren Asylanträge in erster Instanz abgelehnt worden waren.

Asylantrag nur in Lagern möglich

Ungarn hat in den vergangenen Jahren sein Asylrecht ganz besonders verschärft. Die Transitzonen in den Grenzorten Röszke und Tompa sind die einzigen Einrichtungen, in denen Menschen in Asyl beantragen können. Nur sehr wenige Flüchtlinge werden hereingelassen, meist warten sie in Serbien viele Monate darauf. Die Transitzonen muss man sich als geschlossene Lager vorstellen.

Ungarn ist wichtigste Station auf Balkanroute

Da die Einrichtungen durch Tore nach Serbien verlassen werden können, sagt die ungarische Regierung, dass sich die Menschen dort "freiwillig" aufhalten. Wer jedoch nach Serbien zurückkehrt, verliert in Ungarn automatisch seinen Status als Asylbewerber. Ungarn ist eine wichtige Station auf der sogenannten Balkanroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Seit Ungarn kaum noch Menschen passieren lässt, sind auch die Ankunftszahlen in Deutschland stark zurückgegangen.