Teuerste Wolle der Welt

Projekt soll Vikunjas vor Krankheit und Verletzungen schützen

01. Mai 2020 - 13:10 Uhr

Ein Mantel im Wert eines Mittelklassewagens

Sie leben nur in den südamerikanischen Hochanden und besitzen die begehrteste Wolle der Welt: Vikunjas. Die Minikamele sind sehr selten, umso bedrohter ist ihre Art. Ein Kilo unbehandelte Vikunjawolle bringt um die 500 Euro ein - ein Mantel kostet schnell mal mehr als ein Mittelklassewagen. Um der bedrohten Kamelart zu helfen, haben Tierschützer gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung vor Ort ein Projekt gestartet, dass die Schur sicherer machen soll.

Das Scheren der Tiere ist eine Großveranstaltung

Der Gebirgszug Apolobamba liegt im Grenzgebiet von Bolivien und Peru - mitten in den Anden. Dort leben die Vikunjas. Die Wildtiere haben eigentlich Angst vor Menschen, leben eher zurückgezogen. Nur ein Mal im Jahr bricht die indigene Bevölkerung auf, um die Vierbeiner zusammen zu treiben und zu scheren. "Das muss man sich wirklich als lokale Großveranstaltung vorstellen. Da finden Musikveranstaltungen statt, da gibt es Zeremonien, Tänze, Riten, das ist eine sehr traditionelle Veranstaltung", sagt Christoph May von der Welttierschutzgesellschaft.

Unsauberes Arbeiten gefährdet die Tiere

Um die Tiere einzufangen, spannen die Anwohner Zäune auf und treiben die Vikunjas mit Hunden oder Motorradlärm zusammen. "Es ist so, dass die Tiere gestresst in den Gehegen ankommen und dann eben auf engem Raum zusammenstehen und da ist natürlich die hohe Gefahr einer Krankheitsübertragung", so May. Fehlende Sauberkeit und unsanfte Fixierung der Tiere führen zu Verletzungen und Krankheit. Kranke, Schwangere und Jungtiere verschonen die Scherer. Weil die Haare hohl und deshalb sehr leicht sind, gibts nur etwa 250 Gramm Wolle pro Tier.

Die Tierschützer arbeiten eng mit den Menschen in der Gegend zusammen: In Schulungen bringen sie den Einwohnern bei, dass Augenbinden helfen das Verletzungsrisiko zu verringern, weil die Tiere so viel ruhiger sind. Außerdem muss das Scherwerkzeug regelmäßig desinfiziert werden. Es sind nur kleine Änderungen, die die Traditionen der Einwohner nicht zerstören - das Leben der scheuen Vikunjas, der Tiere mit dem Fell wie Gold, aber sicherer machen.