Sicherheit gegen Sicherheitsgefühl: Deutsche fühlen sich bedroht

20. November 2016 - 8:28 Uhr

Angst vor Gewalt wächst

Krefeld: Ein Auto soll abgeschleppt werden, es steht im Haltverbot. Als der Vater der Besitzerin dazukommt, eskaliert die Situation. Der 41-jährige Mann wehrt sich. Als die Polizisten ihn in Gewahrsam nehmen wollen, kommen ihm drei weitere Personen zu Hilfe, darunter seine Tochter. Sie verletzen die beiden Beamten. Einen davon so schwer, dass er seinen Dienst nicht wird fortsetzen können.

Taten wie diese kommen immer wieder vor und führen dazu, dass sich viele Menschen in Deutschland unsicher führen. Darüber werden heute auch Sicherheitsexperten auf der Tagung des Bundeskriminalamtes in Mainz sprechen. Dann wird es auch darum gehen, festzustellen, wie sicher Deutschland wirklich ist.

Zahlen leicht rückläufig

Die Zahlen sprechen hier eigentlich eine klare Sprache. Laut Kriminalstatistik geht die Anzahl der Gewaltdelikte in Deutschland zurück. In Deutschland gab es 2015 knapp 180.000 Gewalttaten. Das bewegt sich etwa auf dem Niveau von 2014 und unter den Zahlen von den Jahren davor. In etwa 100.000 weiteren Fällen kam es auf der Straße zu Bedrohungen, die auch der Polizei gemeldet wurden. Auch diese Zahl liegt leicht unter denen der Vorjahre.

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Fast jede Straftat wird sofort registriert

Woran liegt es also, dass sich die Deutschen so viel unsicherer fühlen als in der Vergangenheit? Zum einen ist das Leben so transparent wie nie zuvor. Über soziale Netzwerke und diverse Medien erfahren wir innerhalb kürzester Zeit von Verbrechen jeglicher Art überall und natürlich auch in unserer direkten Umgebung. So entsteht fast zwangsläufig das Gefühl, dass die Bedrohung für einen selbst ebenfalls größer ist.

Gefahr aus dem Unterbewusstsein

Zum anderen wissen Experten, dass sich gerade negative Erfahrungen und Erkenntnisse eher ins Unterbewusstsein einprägen, als positive. Konfliktforscher Ulrich Wagner, ebenfalls auf der Sicherheitskonferenz in Mainz dabei, glaubt, dass wir die Häufigkeit der Gewalttaten überschätzen. Der Grund dafür liegt in der Psyche: "Wir reden über Dinge, die so eigentlich gar nicht existieren, viel zu häufig und viel zu intensiv." So nehmen wir Berichte über gewalttätige Angriffe negativer wahr, als Nachrichten über rückläufige Zahlen im selben Bereich.

Psyche spielt die größte Rolle

Das gilt auch über das Gefühl, dass durch den Einwanderungsschub des vergangenen Jahres eine größere Gefahr von Migranten gerade für Frauen ausgeht. Auch wenn Zahlen das kaum bestätigen können, stellt die Psyche bei jedem Bericht über Gewalttaten durch Flüchtlinge fest, dass das Gefahrenpotential gewachsen ist. Auch über dieses Gefühl werden die Experten in Mainz sprechen müssen.