Sicherheit an Silvester: Köln will aus Fehlern lernen und stellt neues Sicherheitskonzept vor

Neues Material belegt, wie hilflos die Beamten in der Silversternacht waren

Silvester steht vor der Tür - für die Kölner Polizei wird das nach den massenhaften sexuellen Übergriffen im vergangenen Jahr zur Bewährungsprobe. Die Stadt stellt ihr Sicherheitskonzept vor, das unter anderem deutlich mehr Polizei-Präsenz vorsieht. Denn jetzt belegt neues Material, wie hilflos und verzweifelt die Beamten waren.

Polizei Köln stellt neues Sicherheitskonzept für Silvester vor.
Die Polizei Köln hat das neue Sicherheitskonzept für Silvester vorgestellt.
mjh hpl, , Maja Hitij

Schon der Funkspruch der Polizei vom 31. Dezember 2015 gegen 22:30 Uhr zeigt, wie unvorbereitet und überfordert die Beamten in der Silvesternacht waren: "Nach wie vor sind da über tausend Personen. Zu zweit können wir da wenig reißen." Massenhaft wurden Silvester vor einem Jahr Frauen von Männergruppen sexuell bedrängt und bestohlen. "Da stehen lauter Leute, und wenn man da durchläuft, begrabschen die einen und langen unters Kleid und alles. Aber so richtig", meldet sich eine Frau vor Mitternacht per Notruf.

Rund 140 Polizisten waren im Einsatz, aber sie waren hilflos. Den ganzen Frust - auf beiden Seiten - zeigt dieser Funkmitschnitt: "Da wir nicht 500.000 Polizisten dort herumlaufen haben, sondern nur einige 100, werden wir natürlich nicht überall sein können", ist ein Polizist zu hören. "Das ist mir scheißegal, dann muss man da einfach mal rigoroser vorgehen", beschwert sich ein Anrufer. "Wie reden Sie mit mir? So führe ich das Gespräch nicht fort."

Allein die Zahl der Polizisten im Einsatz verzehnfacht sich

Viel zu wenig Beamte im Einsatz - das soll sich dieses Jahr ändern. So sieht das neue Sicherheitskonzept rund 1.500 Beamte vor. Hinzu kommen etwa 600 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und privater Sicherheitsfirmen - "deutlich mehr" als im Vorjahr, sagte eine Sprecherin der Stadt, ohne eine genaue Zahl zu nennen.

Zudem soll es eine Schutzzone um den Dom geben, in der Feuerwerk verboten ist. Es sei erforderlich, Passanten, Besucher der Messe im Dom am Abend und auch das Weltkulturerbe selbst vor Beschuss mit Feuerwerk zu schützen, heißt es. Geplant sind mehrere Kontrollpunkte. Am Hauptbahnhof und Bahnhofsvorplatz - vor einem Jahr Zentrum der Übergriffe - soll es ebenso wie an anderen Orten in der Stadt mehr Videoüberwachung geben. Im Bahnhof sollen die Züge so ein- und ausfahren, dass An- und Abreisende nicht so oft den Bahnsteig wechseln müssen und dabei womöglich ineinanderlaufen. Das soll chaotische Zustände verhindern.

Und auch die sozialen Medien wie Facebook und Twitter will man im Blick halten. "Wir wollen vor allem wissen, wie die Stimmungslage ist", sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler werden von Dolmetschern unterstützt, um fremdsprachige Posts zu verstehen, aber auch, um selbst entsprechende Mitteilungen senden zu können.

Auf der Kölner Domplatte wird es eine Multimediashow geben. Der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist will sie in einen "Licht-Traum-Raum" verwandeln, in den Besucher eintauchen können. Worte, Zeichen und Farben werden auf den Boden und angrenzende Fassaden projiziert. "Die beste Antwort auf Schrecken wie im letzten Jahr ist, mit einem positiven Kunstereignis andere Bilder zu entwickeln", sagte Geist der Deutschen Presse-Agentur. Auch Chöre sollen auftreten.