RTL News>News>

Showdown in London: Murdoch im Verhör

Showdown in London: Murdoch im Verhör

Murdoch: Anhörung vor dem Parlament

Der britische Abhörskandal im Konzern von Medien-Mogul Rupert Murdoch erreicht heute seinen vorläufigen Höhepunkt: Der Medienmogul muss vor einem britischen Parlamentsausschuss Rede und Antwort stehen. Die Abgeordneten wollen von dem 80-Jährigen wissen, was er von den illegalen Abhörpraktiken gewusst hat. Ebenfalls vorgeladen sind Murdochs Sohn James und die frühere Verlagsmanagerin Rebekah Brooks. In einer weiteren Anhörung müssen die zurückgetretenen Scotland-Yard-Chefs Stephenson und Yates Rede und Antwort stehen.

Rupert Murdoch: Anhörung vor dem Parlament
Showdown in London: Rupert Murdoch muss heute dem Parlament Rede und Antwort stehen.
Reuters, PAUL HACKETT

Murdoch bereitet sich schon seit Tagen mit extra eingeflogenen PR-Beratern auf die Anhörung vor. Keine einfache Aufgabe, denn der 80-Jährige gilt als extrem aufbrausend, wenn er sich angegriffen fühlt. Die Macht des Ausschusses ist begrenzt. Er kann nur Empfehlungen weitergeben. Eine Aussage unter Eid ist nicht möglich. Beobachter erwarten, dass sich die Vorgeladenen streng an die Vorgaben ihrer Juristen halten werden.

Unterdessen zieht die Affäre weiter ihre Kreise in Großbritannien. Nachdem mit Rebekah Brooks und Les Hinton zwei Top-Manager aus dem Murdoch-Imperium zurücktreten mussten, ist inzwischen auch die Polizei betroffen. Scotland-Yard-Chef Paul Stephenson und sein Stellvertreter John Yates mussten ihren Hut nehmen. Scotland Yard sieht sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert.

Auch der Druck auf Premierminister David Cameron wächst. Inzwischen sieht er sich mit offenen Rücktrittsforderungen konfrontiert. "Wann tut der zwielichtige Dave endlich das, was sich gehört, und tritt zurück?", sagte der Labour-Parlamentarier Dennis Skinner. Sein Parteifreund Gerald Kaufman fragte: "Sollte der Premierminister nicht seine Position überdenken?" Oppositionsführer Ed Miliband attestierte Cameron eine "katastrophalen Einschätzungsfehler", als er den ehemaligen Chefredakteur der Skandalzeitung, Andy Coulson, zu seinem Regierungssprecher machte.

Cameron geriet am Dienstag weiter unter Druck, als herauskam, dass die im Abhörskandal vorübergehend festgenommene Murdoch-Managerin Rebekah Brooks als Gast bei seinem 44. Geburtstag im vergangenen Oktober war. Es ist die 27. Begegnung Camerons mit Murdoch-Managern in nur 15 Monaten Amtszeit. Die Geburtstagseinladung war von der Downing Street zunächst verschwiegen worden. Ferner wird Cameron eine ungesunde Nähe zu Murdoch-Managern nachgesagt. In nur 15 Monaten Amtszeit hat es 26 Treffen des Regierungschefs mit der Murdoch-Führung gegeben.

Belastungszeuge tot aufgefunden

Einer der wichtigsten Belastungszeugen in der Affäre - ein Ex-Reporter – wurde unterdessen tot in seiner Wohnung gefunden. Sean Hoare war der erste, der in dem Abhörskandal ausgepackt und den Murdoch-Konzern ins Wanken gebracht hat. Er hatte den früheren Chefredakteur von 'News of the World', Andy Coulson, schwer belastet. Die Polizei teilte mit, die Todesumstände seien "ungeklärt, aber unverdächtig".

Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN ist die Webseite der britischen Boulevardzeitung 'The Sun' kurzzeitig gehackt worden. Besucher der Webseite seien zu einer gefälschten Meldung über einen angeblichen Selbstmord Murdochs weitergeleitet worden. Die Hackergruppe Lulz Security bekannte sich nach dem Bericht via Kurznachrichtendienst Twitter zu dem Angriff. Die Gruppe kündigte weitere Cyberattacken in den kommenden Tagen an. Lulz Security hatte sich bereits auf Webseiten von Unternehmen wie Sony und auch des US-Senats eingehackt.

Die Abhöraffäre ist vor zwei Wochen übergekocht, als bekanntgeworden war, dass Reporter der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung 'News of the World' neben Prominenten auch Verbrechensopfer angezapft hatten. Besonders bekannt wurde der Fall der 13-jährigen Milly Dowler. Reporter manipulierten die Handy-Mailbox des Kindes und machten den Eltern so falsche Hoffnungen auf ein Überleben ihres Kindes. Insgesamt geht die Polizei davon aus, dass mindestens 4.000 Menschen Opfer der Abhörpraktiken geworden sind.