Showdown in Leverkusen - Tor-Garantie beim Borussen-Duell

© REUTERS, WOLFGANG RATTAY

13. November 2013 - 11:26 Uhr

So läuft der 8. Bundesliga-Spieltag

In grauen Vorzeiten gab es mal ein Team, das einen Sieg gegen Bayern München errang. Am achten Spieltag der Fußball-Bundesliga kommt es erneut zum Duell. Das Borussen-Treffen verspricht Spektakel, und für einen Trainer wird es langsam eng.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Ein ganz klares: einerseits, andererseits. Einerseits sind die Bayern seit dem Sieg in der Champions League in Manchester am Mittwoch nicht nur eine super Mannschaft, sondern eine "super, super Mannschaft". Sagt Uli Hoeneß. Andererseits müssen die Münchner am Samstag bei Bayer Leverkusen antreten. Die stehen mit nur einem Punkt weniger an Platz drei der Tabelle - und konnten als bislang letztes deutsches Team die Bayern schlagen. Das war am 28. Oktober 2012, vor fast einem Jahr also.

"Es spricht für die Qualität der Bayern, dass sie seitdem nicht verloren haben", sagt Simon Rolfes. Der Respekt ist dementsprechend hoch in Leverkusen. "Angst müssen wir aber nicht haben", sagt Torwart Bernd Leno. Für ihn und Bayer ist das Top-Spiel vor allem eine Möglichkeit, endlich die Anerkennung zu bekommen, die sie für den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte verdienen – auch bei den eigenen Fans. Das Champions-League-Spiel unter der Woche gegen San Sebastian war nicht einmal ausverkauft. "Ich habe schon manchmal das Gefühl, dass viele vergessen, dass wir super Fußball spielen und vorne dabei sind", ärgert sich Torwart Bernd Leno. Nur: Wenn Bayer am Samstag um 20.15 Uhr Tabellenführer ist, würde sich das wohl schlagartig ändern.

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Was das Eckige angeht, wo das Runde rein muss: Da sind die deutschen Verhältnisse etwas erfolgreicher. In der Primera Division sind bis zum siebten Spieltag im Durchschnitt 2,79 Tore pro Spiel gefallen. In der Bundesliga liegt der Wert bei 3,37 Toren, damit ist die 51. Saison die bisher torreichste seit 19 Jahren.

An diesem Wochenende treffen zwei Teams aufeinander, die daran erheblichen Anteil haben. Die Borussia aus Dortmund reist zur Borussia aus Mönchengladbach. Weil wir Statistiken so gern haben: Rein statistisch gesehen geht dieses Spiel 2,42:3 aus. Beziehungsweise, wenn wir die Heimtore der Gladbacher den Auswärtstoren der Dortmunder gegenüberstellen, dann ergibt das ein 3,67:2,32. Wir an Ihrer Stelle würden uns das anschauen. Es wird ein verrücktes Spiel.

Was passiert sonst noch an diesem Spieltag?

Drei Trainer warten noch auf ihren ersten Saisonsieg: Der Freiburger Christian Streich ließ mit seiner Aufstellung beim Europa-League-Spiel in Sevilla durchblicken, dass er das zu ändern gedenkt. Er schonte Kapitän Julian Schuster, Jonathan Schmidt und Admir Mehmedi. Das Problem: Der Sportclub trifft mit Frankfurt auf eine Mannschaft, die im Europapokal auswärts gewann und in der Bundesliga auswärts schon zweimal siegen konnte.

Immerhin kann Fallou Diagne nicht spielen. Der offenbar notorisch übermotivierte Verteidiger hat das Kunststück fertig gebracht, nach seiner Roten Karte in Dortmund am vergangenen Wochenende auch in der Europa League vom Platz zu fliegen. "Wenn du solche Dinge zum wiederholten Mal machst, dann bestrafst du die Mannschaft brutal", sagte ein angefressener Trainer Christian Streich. Der hat bei seinem Verein noch Rückendeckung, zumindest bei seinem Präsidenten Fritz Keller: "Dass wir da unten wieder rauskommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."

Welche Mannschaft überrascht?

Drei Trainer warten noch auf ihren ersten Saisonsieg. Der Braunschweiger Torsten Lieberknecht stand unter der Woche in den Schlagzeilen, weil er nach der 0:4-Pleite gegen Stuttgart öffentlich über seinen Abschied sinnierte. Doch der Aufsteiger ist kein normaler Klub: Sportdirektor Marc Arnold stellte sich vor seinen Coach, die Fans kamen zu hunderten zum Training und feierten Lieberknecht mit minutenlangen Gesängen. "Diese tolle Aktion der Fans macht mich stolz. Das ist Eintracht Braunschweig", sagte der sichtlich bewegte Trainer danach, und gab ein Treueversprechen ab: "Wir arbeiten mit den Jungs und dem Trainerstab weiter zusammen. Und diese Jungs werde ich nie verlassen."

Dieter Hecking vom VfL Wolfsburg lobte seinen Kollegen: "Ich schätze seine Arbeit sehr. Die kann man gar nicht hoch genug bewerten." Die Zeit für Sentimentalitäten ist aber spätestens Samstag 15.30 Uhr vorbei, dann will Hecking mit seinem Team die Punkte behalten. Er warnt vor der gefährlichen Situation: "Für Braunschweig gibt es jetzt kein einfacheres Spiel als gegen uns. Ob es ihnen hilft, liegt aber vor allem an uns."

HSV mit Aufbruchstimmung im Gepäck

Bert van Marwijk; HSV
Mit Bert van Marwijk ist die Hoffnung zurück nach Hamburg gekehrt.
© dpa, Arne Dedert

Für welchen Trainer wird es eng?

Drei Trainer warten noch auf ihren ersten Saisonsieg. Der Nürnberger Michael Wiesinger steht wohl unter dem höchsten Druck. Zwar zeigte seine Mannschaft in den letzten beiden Spielen gegen Dortmund und Bremen gute Ansätze, aber letztlich kommen die Clubberer nur mit Siegen aus dem Tabellenkeller.

Mit dem HSV kommt ein Team, das ebenfalls nur fünf Punkte auf dem Konto hat - aber nach dem Trainerwechsel von Thorsten Fink zu Bert van Marwijk Aufbruchstimmung mit im Gepäck trägt. Sollte der HSV das zu seinem zweiten Saisonsieg in Nürnberg nutzen, könnten die Club-Verantwortlichen auf die Idee kommen, es ihren HSV-Kollegen nachzumachen.

Wo wird es brisant?

"Das wird unser bisher schwerstes Spiel. Der Gegner steht schon mit dem Rücken zur Wand." Das sagte nicht etwa Wolfsburgs Dieter Hecking, sondern Hoffenheims Trainer Markus Gisdol. Der fährt mit seinem Team nach Mainz, das in Liga und DFB-Pokal zuletzt fünf Niederlagen am Stück kassiert hat. Doch von Panik will Coach Thomas Tuchel nichts wissen: "Unsere Stärke hier in Mainz war es doch schon immer, dass wir alles unaufgeregt und abseits vom reinen Ergebnisdenken betrachtet haben."

Das Team wirkte zuletzt ratlos, in Berlin folgte auf eine gute Hälfte ein unerklärlicher Einbruch in Halbzeit zwei. Das hat sich gegen Hoffenheim zuletzt auch Schalke 04 geleistet, mit bekanntem Ausgang. Mainz tut gut daran, sich solche Aussetzer nicht zu leisten - sonst wird es auch für Thomas Tuchel schwer, die Ruhe zu bewahren.

Was sagt das Orakel?

"Macht weiter so. Ich glaube, dann werden wir wieder eine Saison haben, an der wir alle große Freude haben. Und ich bin überzeugt, dass wir am Ende des Tages das eine oder andere neben dem weißen und roten Wein noch auf dem Tisch stehen haben." Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge freut sich schon auf das Bankett nach dem Leverkusen-Spiel.

Quelle: n-tv.de