Shirel ist 'das Baby aus dem Eis'

25. Dezember 2011 - 8:31 Uhr

Vor 18 Jahren gezeugt, jetzt erst geboren

Die kleine Shirel ist zwar erst sechs Wochen alt, wurde aber schon vor 18 Jahren gezeugt und als Embryo eingefroren. In Deutschland ist das zwar verboten, in anderen Ländern wie Israel völlig legal.

Auch wenn man es ihr nicht ansieht: Die kleine Shirel ist eigentlich schon volljährig – zumindest biologisch betrachtet. Vor nicht einmal zwei Monaten kam sie zur Welt, doch vor 18 Jahren wurde sie gezeugt, in einer Petrischale im Labor. Dass heute ein gesundes Mädchen bei ihnen ist, darüber staunt die gesamte Familie immer noch.

"Es gab das große Fragezeichen: Was wird rauskommen bei einem vor 18 Jahre eingefrorenem Embryo? Wie würde das Baby überleben, wie die Schwangerschaft verlaufen? Ich war ein wandelndes Experiment, hatte große Angst um mein Kind. Wir haben es Mega-Embryo genannt. Shirel ist ein Wunder - ein Weltwunder und mein kleines Wunder", so die stolze Mutter Orit Koter-Cohen.

Eine ganz besondere Schwester

Als sie 24 war, ließ sie für den Fall, dass sie irgendwann einmal nicht auf natürliche Weise schwanger werden kann, Embryonen einfrieren. Doch es ging problemlos: Ofir und Lian kamen zur Welt. Mit 40 entschied Orit: Sie will noch ein Kind.

"Unser Fall ist der einzige weltweit. Ich sehe Shirel nicht als 18-Jährige, aber die Vorstellung ist lustig", so Orit weiter. Auch für Ofir und Lian ist Shirel eine ganz besondere Schwester: die jüngste, aber eben auch die älteste. "Ich wollte meine Schulkameraden neidisch machen und habe ihnen erzählt, dass meine Mutter mit meiner neuen Schwester einen Weltrekord gebrochen hat. Ein 18 Jahre altes Baby, das klingt unmöglich, aber dann siehst du sie, und sie ist ganz normal und dazu sogar bezaubernd", sagt Lian, die große Schwester.

Ob wirklich ein gesundes Baby heranwachsen wird, wussten auch die beiden Ärzte von Orit Koter-Cohen nicht. Ein so alter Embryo war für sie ein absoluter Sonderfall: "Als sich der Embryo vor 18 Jahren gebildet hat, war ich noch ein Medizinstudent. Aber wir leben im Science-Fiction-Zeitalter, mit all den Dingen, die technisch heute schon möglich sind. Wer weiß, vielleicht wird bald einer Frau ein hundert Jahre alter Embryo eingesetzt", so der behandelnde Arzt.

Bei Minus 196 Grad lagern Embryonen in flüssigem Stickstoff, theoretisch zumindest unendlich lang. Je jünger die Frau, umso besser die Qualität der Eizellen. So lassen sich einige Frauen in Israel in jungen Jahren Eizellen entnehmen, die in der Petrischale befruchtet und danach als Embryonen eingefroren werden. Jahre später können sie wieder eingesetzt werden – damit die Frau schwanger wird.

Orit Koter-Cohen findet, dass das eine Chance ist für Frauen, auch in hohem Alter Kinder bekommen zu können und dazwischen Karriere zu machen. Ungewöhnlich sei das zwar schon, aber warum nicht den medizinischen Fortschritt nutzen, sagt sie, wenn nach Jahren im Eis so ein süßes Baby herauskommt?