Shell hat Ölleck "unter Kontrolle"

17. August 2011 - 11:25 Uhr

31 Kilometer lange Ölschicht

An einer Plattform des Konzerns Shell in der Nordsee vor der schottischen Küste ist nach einem Leck eine größere Menge Öl ausgeflossen. Auf dem Wasser treibe eine 31 Kilometer lange Ölschicht mit einer maximalen Breite von 4,3 Kilometern, teilte Shell mit. "Wir gehen davon aus, dass das Öl auf natürliche Weise durch die Wellenaktivitäten aufgelöst wird und keinen Strand erreichen wird", erklärte der größte Ölkonzern Europas. Darüber hinaus gehende Informationen gebe es nicht, teilte Shell mit.

Die Nordsee-Ölplattform Gannet Alpha
Vor der schottischen Nordseeküste ist ein Ölplattform von Shell undicht (Archivfoto aus dem April 2009).
© dpa, Royal Dutch Shell Ho

Auch zum Volumen des insgesamt ausgeströmten Öls machte Shell bislang keine Angaben. Das am Mittwoch an der Plattform Gannet Alpha 180 Kilometer östlich von Aberdeen entdeckte Leck sei aber relativ unbedeutend. Es sei inzwischen «unter Kontrolle». Unabhängige Informationen zu dem Ausmaß des Vorfalls lagen zunächst nicht vor. Öl im Wasser ist auch dann eine Gefahr für viele Meerestiere und Vögel, wenn es nicht an Land gespült wird.

Nach Shell-Angaben wurde ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter eingesetzt, um das Problem zu erkunden. Auch stehe ein Boot mit Chemikalien zum Binden von Öl bereit. Zudem beobachte man die Situation von einem Flugzeug aus, heißt es auf der Homepage des Konzerns.

Nigerdelta und 'Brent Spar': Shell fiel schon öfter negativ auf

Umweltorganisationen kritisierten die Förderung von Öl aus der Nordsee. Diese werde immer schwieriger und gefährde sowohl die Küstengemeinden Schottlands als auch die Wirtschaft, sagte Juliet Swann von 'Friends of the Earth'. "Jedes Auslaufen von Öl sollte uns ein Warnzeichen sein, das uns antreibt, eine Zukunft mit sauberen, erneuerbaren Energien anzustreben, statt weiter in schmutziges Öl zu investieren."

Shell war vor etwa einer Woche erneut wegen seiner Aktivitäten im Nigerdelta in die Kritik geraten. Ein Bericht des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) geht davon aus, dass die Schäden und Gefahren, die Shell dort mit schonungsloser Erdölförderung angerichtet hat, erst in 25 bis 30 Jahren wieder behoben sein werden. Die UNEP-Experten glauben, der Sachschaden gehe in die Milliarden.

Neben den Beeinträchtigungen des Trinkwassers und damit der Gesundheit der Menschen seien vor allem die Mangrovenwälder in Gefahr, hieß es. Es müssten dringend die Lecks in den Leitungen gestopft werden, um weitere Verunreinigungen zu stoppen.

Der Mineralölkonzern hatte auch um das Jahr 1995 herum massive Kritik auf sich gezogen mit dem Plan, die ausrangierte Ölplattform 'Brent Spar' im Nordatlantik 2000 Meter tief zu versenken. Umweltschützer hatten den 15.000 Tonnen schweren und fast 140 Meter hohen Stahlkoloss vor den Shetland-Inseln besetzt. Der Konzern gab dem Druck schließlich nach und ließ 'Brent Spar' an Land zerlegen.

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