Sexueller Übergriff auf 14-Jährige mitten in der Hamburger Innenstadt: Hätte der Täter abgeschoben werden können?

In Hamburg wurde eine 14-Jährige von einem 30 Jahre alten Mann am helllichten Tag überfallen. (Foto: Motivbild)
In Hamburg wurde eine 14-Jährige von einem 30 Jahre alten Mann am helllichten Tag überfallen. (Foto: Motivbild)
© kmiragaya - Fotolia, Karel Miragaya

14. August 2018 - 12:38 Uhr

Täter sprach das Mädchen am Hamburger Hauptbahnhof an

Es passierte am hellichten Tag mitten in Hamburg: Eine 14-Jährige kam am Hauptbahnhof an und wollte sich einen schönen Samstag in der Innenstadt machen. Doch soweit kam sie nicht. Schon im Bahnhof wurde sie von einem 30-Jährigen angesprochen, der so tat, als würden sich die beiden schon lange kennen. Jetzt muss sich die Hamburger Ausländerbehörde unangenehme Fragen gefallen lassen, denn der Täter ist schon wegen mehrerer Straftaten aufgefallen.

Der 30-Jährige ließ sein Opfer einfach nicht in Ruhe

Nachdem der Mann die Jugendliche im Hauptbahnhof angesprochen hatte, lief sie weiter in Richtung Mönckebergstraße, doch der 30-Jährige ließ sie nicht in Ruhe, sondern folgte ihr, wie die Polizei berichtete. Immer wieder versuchte er, das Mädchen in ein Gespräch zu verwickeln, doch der Teenager ging unbeirrt weiter.

Schließlich packte der Mann die 14-Jährige, zerrte sie in einen Hauseingang und es kam zu sexuellen Handlungen, obwohl sich das Opfer heftig wehrte. Auch nach der Tat ließ er sie nicht in Ruhe. Das Mädchen flüchtete in die U-Bahn und fuhr bis zu Haltestelle "Hoheluftbrücke". Der Angreifer blieb ihr auf den Fersen und verfolgte sie bis zu einer Tankstelle, wo die 14-Jährige schließlich um Hilfe bat.

Von dort aus wurde auch die Polizei verständigt. Als die Beamten vor Ort eintrafen, wartete der polizeibekannte 30-Jährige noch immer und ließ sich festnehmen. Ein freiwilliger Atemalkoholtest ergab 2,24 Promille. Jetzt muss ein Haftrichter entscheiden, was mit dem Mann passieren soll.

Wie konnte es zu dem Überfall am helllichten Tag kommen?

"Die Frage ist natürlich: War dieser Ort so belebt", erklärte Polizeisprecher Timo Zill. Er geht davon aus, dass es möglicherweise gar keine Zeugen gab, die das Geschehen beobachtet haben. Denn die Mönckebergstraße sei zum Tatzeitpunkt noch gar nicht so belebt gewesen, weil die Geschäfte noch nicht geöffnet hatten. Der Täter zerrte die 14-Jährige in einen "Nebenbereich" in den Notausgang eines Geschäftes. Darum hält die Polizei es nicht für abwegig, dass niemand etwas von den sexuellen Übergriffen mitbekommen hat. 

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Der Täter war polizeibekannt

Besonders für die Hamburger Ausländerbehörde wird es jetzt ungemütlich. Laut Polizeisprecher Zill stammte der Täter aus Afghanistan. "Er ist polizeilich in der Vergangenheit schon in Erscheinung getreten, unter anderem auch wegen sexueller Belästigung", erklärte er. Weitere Details gab die Polizei nicht bekannt.

Der Hamburger Bundestagsabgeordnete und Innenexperte Christoph de Vries (CDU) forderte jetzt Aufklärung. "Es ist mir völlig schleierhaft, warum der mutmaßliche Vergewaltiger trotz einer langen Liste von Straftaten überhaupt noch auf freiem Fuß war und nicht längst im Knast saß", sagte er der "Bild"-Zeitung. Die Ausländerbehörde in Hamburg müsse erklären, warum der Afghane nicht längst abgeschoben worden sei.

Auch eine 39-Jährige wurde von einem Mann überfallen

Wenige Stunden zuvor, am späten Abend, kam es in Hamburg zu einem weiteren Sexualdelikt. Im Stadtteil Barmbek-Nord wurde eine 39-Jährige überfallen, nachdem sie aus der U-Bahn-Haltestelle "Habichtstraße" kam. Ein junger Mann griff sie plötzlich von hinten an und rang sie zu Boden. Die Frau schrie um Hilfe und wehrte sich heftig, sodass der Täter von ihr abließ und flüchtete.

Mehrere aufmerksame Passanten verfolgten den Täter noch, bekamen ihn aber nicht mehr zu fassen. Darum bittet nun die Polizei um Hilfe bei der Suche nach dem Mann. Der Tatverdächtige

  • ist ca. 1,80m bis 1,85m groß
  • ist ca. 19 bis 23 Jahre alt
  • hat ein "südländisches" Erscheinungsbild
  • ist schlank
  • hat kurze, dunkle Haare
  • trug ein helles T-Shirt und eine Jeans

Wer den Tatverdächtigen kennt oder weiß, wo er sich aufhalten könnte, wird gebeten, sich bei der Polizei Hamburg unter der Telefonnummer 040/4286-56789 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle zu melden. Auch für weitere Zeugenhiweise von Leuten, die die Tat beobachtet haben, ist die Polizei dankbar.


Quelle: DPA, RTL.de