Sexueller Missbrauch statt Therapie: Arzt entschuldigt sich bei Patientinnen vor Gericht in Ansbach

Beim Prozessauftakt wendet sich der Mediziner an die Frauen und bittet um Verzeihung. Er wollte nicht unkenntlich gemacht werden.
Beim Prozessauftakt wendet sich der Mediziner an die Frauen und bittet um Verzeihung. Er wollte nicht unkenntlich gemacht werden.
© dpa, Daniel Karmann, dka tba

11. Dezember 2017 - 23:19 Uhr

Sexueller Missbrauch von Patientinnen - Arzt räumt Vorwürfe ein

Der Vorwurf ist unvorstellbar: Rund drei Jahre lang soll der Arzt und Psychotherapeut Hermann S. aus Franken drei seiner Patientinnen immer wieder sexuell missbraucht haben. Besonders perfide: Die Frauen waren teilweise wegen schwerer psychischer Probleme bei ihm in Behandlung. Eine von ihnen wurde als junge Frau vergewaltigt.

Anklage: Sexueller Missbrauch von Patientinnen in 122 Fällen

Prozess gegen Arzt wegen sexuellen Missbrauchs
Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte Arzt Hermann S. (l) im Sitzungssaal neben seinem Verteidiger Wolfgang Staudinger.
© dpa, Daniel Karmann, dka tba

Die Anklage vor dem Landgericht in Ansbach geht von 122 Fällen zwischen 2012 und 2015 aus. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt aus dem fränkischen Feuchtwangen vor, das Vertrauensverhältnis zu seinen psychisch labilen Patientinnen ausgenutzt zu haben, um Sex mit ihnen zu haben - teilweise ohne sie zu behandeln. 

Der 63-Jährige bat zum Prozessauftakt um Entschuldigung. "Sie waren meine intimen Freundinnen und jetzt sind sie zu Geschädigten geworden", sagte Hermann S. Er räumte ein, Sex mit den Frauen gehabt zu haben. Wie oft, wisse er aber nicht mehr. Zum Geschlechtsverkehr mit seinen Patientinnen soll es überwiegend in den Abendstunden in der Praxis in Feuchtwangen gekommen sein. Die Frauen waren nicht im Gerichtssaal, weil sie noch als Zeuginnen aussagen mussten.

"Es war immer eine Frau pro Woche an einem Abend"

Ansbach: Prozess gegen Arzt wegen sexuellen Missbrauchs
Justizvollzugsbeamte tragen im Landgericht in Ansbach (Bayern) Akten zu dem Prozess gegen den Mediziner.
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Der Verteidiger des Psychotherapeuten und Mediziners wies darauf hin, dass der Sex mit den Frauen nicht vermeintlicher Teil der Therapie gewesen sei. Vielmehr seien über die Therapie emotionale Bindungen entstanden. Neben seiner Ehefrau hatte der Mann auch eine Lebensgefährtin. "Wenn ich mir den Zeitraum so anschaue, dann waren es mehrere Damen parallel", sagte der Vorsitzende Richter Claus Körner dazu. "Wie haben Sie das denn organisatorisch geschafft?"

Die Antwort des Angeklagten: "Es war immer eine Frau pro Woche an einem Abend". Eine seiner Patientinnen hatte sich schließlich im vergangenen Jahr bei der Polizei gemeldet. Dem Mediziner droht nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei Verurteilung eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Für den Prozess sind bislang sechs Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte demnach am 17. Januar gesprochen werden. Die Kammer hat elf Zeugen geladen.