Sexueller Missbrauch in DRK-Kita: Polizei nimmt Praktikanten fest

09. Februar 2018 - 16:19 Uhr

Kita-Praktikant in Untersuchungshaft

Es ist der Albtraum aller Eltern: Kindesmissbrauch unter dem Dach der Kindertagesstätte. Im niedersächsischen Wunstorf-Bokeloh hat sich jetzt der Verdacht in einem Missbrauchsfall erhärtet: Ein Praktikant wird dringend verdächtigt, sich an mindestens einem Kind in einer DRK-Kita vergangen zu haben. Seit vergangenem Freitag befindet sich der Verdächtige in Untersuchungshaft.

Schwerer sexueller Missbrauch in DRK-Kita

Der Vorwurf gegen den Verdächtigen ist schockierend: In der DRK-Kita in Wunstorf-Bokeloh soll der Praktikant mindestens ein Kind mehrmals schwer sexuell missbraucht haben. Wie der Hannoveraner Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gegenüber RTL berichtet, kamen die ausschlaggebenden Hinweise aus der Elternschaft. Nachdem sich der Verdacht dann konkretisiert hatte, konnte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragen und den Verdächtigen am vergangenen Freitag festnehmen. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann Klinge bisher kaum Informationen über den Verdächtigen bekanntgeben, es handele sich jedoch um einen "sehr jungen Mann".

Die Ermittler stehen in dem Fall noch ganz am Anfang. Doch schon jetzt steht fest: Leicht wird es nicht werden, das gesamte Ausmaß der Straftat aufzudecken. Denn dafür müssen zunächst die Kinder der Kita selbst befragt werden. Und da es sich um Kleinkinder handelt, gestalten sich die Ermittlungen besonders kompliziert. Denn für sie ist sei manchmal schwer zu unterscheiden, was sie wirklich erlebt haben und was nur Phantasie ist, so Klinge. Um wie viele Missbrauchsfälle es sich wirklich handelt, könnte daher erst nach den Vernehmungen gesagt werden.

DRK nimmt Vorwürfe ernst

Auch für die DRK Hannover ist der Fall ein Schock. Der Verband ist Träger von 57 Kitas, darunter auch die betroffene Einrichtung in Wunstorf-Bokeloh, in der 40 Kinder von sechs Erzieherinnen betreut werden. "Es ist noch nichts bestätigt, aber wir nehmen solche Vorwürfe natürlich außerordentlich ernst", sagt Steffen Baumann, Vorstand des DRK Hannover gegenüber RTL. Der Verband stehe daher auch im ständigen Austausch mit den Eltern.

Erzieher und Praktikanten würden bei der Einstellung besonders akribisch überprüft, so Baumann. Jeder Bewerber müsse ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Das gelte für jeden, der in Deutschland mit Kindern oder Jugendlichen zusammenarbeitet. Der mutmaßliche Missbrauch in der Bokeloher Kita erschüttert auch ihn als Vater zweier Söhne persönlich: "Natürlich löst das in jedem Vater und in jeder Mutter zunächst mal ein tiefes Gefühl der Betroffenheit aus".

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Kein Einzelfall

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Der Hannoveraner Oberstaatsanwalt Thomas Klinge berichtet über Details zu dem Fall (Foto RTL).

Bereits 2005 verurteilte das Landgericht Hannover in einem Missbrauchsfall in einer Hannoveraner Kita. Ein 32-jähriger Erzieher hatte gestanden, zwei Jungen und ein Mädchen der Kindertagesstätte "Rasselbande" über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Für seine Taten wurde der Erzieher zu sechs Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde er mir einem lebenslangen Berufsverbot belegt.