Sexueller Missbrauch: Ex-SPD-Abgeordneter Linus Förster legt vor Gericht Geständnis ab

Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster gestand den sexuellen Missbrauch von mehreren Frauen.
Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster gestand den sexuellen Missbrauch von mehreren Frauen.
© dpa, Stefan Puchner, puc fdt

19. September 2017 - 9:10 Uhr

Durch Sex nach Bestätigung gesucht

Es geht um sexuellen Missbrauch in einer ganzen Reihe von Fällen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Linus Förster hat vor Gericht reinen Tisch gemacht und ein weitgehendes Geständnis abgelegt. Dem ehemaligen SPD-Politiker wird vorgeworfen, mehrfach in seiner Wohnung schlafende Frauen missbraucht und dabei teilweise auch Videoaufnahmen gemacht zu haben. In einem Fall soll es zum Missbrauch bei einer Gartenparty an einem Lagerfeuer gekommen sein. In weiteren Fällen habe Förster seine Freundinnen heimlich gefilmt, als er mit ihnen Sex hatte.

1.300 Kinderpornos auf dem Rechner - aber keine pädophilen Neigungen?

Ex-SPD-Mann Linus Förster (M) wird am 18.09.2017 im Landgericht Augsburg (Bayern) von Justizwachtmeistern begleitet
Förster wird nach der Verhandlung aus dem Saal geführt.
© dpa, Stefan Puchner, puc fdt

Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg trug der Verteidiger des 52-Jährigen am Montag eine Erklärung vor, mit der die meisten angeklagten Fälle eingeräumt werden. Förster machte anschließend umfangreiche Detailangaben zu den einzelnen Taten und betonte, dass es ihm leid tue. Er habe seit seiner Jugend durch Sex nach Bestätigung gesucht, dabei sei es auch zu "Grenzüberschreitungen" gekommen.

Linus Förster ist zudem angeklagt, weil er im Besitz von mehr als 1.300 Kinderpornos ist. Nach Försters Erklärung sind diese Fotos und Videos auf seine Computer gelangt, als er "wahllos Dateien aus dem Internet geladen" habe. Er sei selbst schockiert gewesen, als er gehört habe, dass die Kripo diese Bilder bei ihm gefunden habe. "Ich habe keinerlei pädophile Neigungen", beteuerte Förster.

Linus Förster drohen vier Jahre Haft

Er sitzt wegen der Vorwürfe seit Dezember in Untersuchungshaft. Sein Verteidiger Walter Rubach hatte bereits vor dem Prozess angekündigt, dass Förster ein Geständnis ablegen werde. Nach Rubachs Angaben strebt Förster einen Täter-Opfer-Ausgleich mit allen Frauen an, an mehrere Opfer seien bereits Zahlungen von jeweils mehreren tausend Euro geleistet worden.

Rubach hatte im Vorfeld mit der Staatsanwaltschaft über das Strafmaß verhandelt. Demnach kann Förster im Fall eines umfassenden Geständnisses mit einer Strafe von etwa vier Jahren Gefängnis rechnen, wie aus einer Aktennotiz der Anklagebehörde hervorgeht. Ohne Geständnis hätte die Staatsanwaltschaft demnach ein Strafmaß von sechs Jahren angestrebt.

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Förster war nach Bekanntwerden des Skandals aus der SPD ausgetreten

Förster berichtete davon, dass er in der Vergangenheit psychische Probleme hatte und deswegen auch in einer Klinik war. Außerdem habe er eine ambulante Therapie gemacht. Förster sprach selbst davon, dass er ein "narzisstisches Ich" gehabt habe. Er habe einfach die erotischen Videos sammeln wollen. Ein Urteil in dem Prozess wird bis Ende September erwartet. Förster war wegen der Vorwürfe Ende 2016 aus der SPD ausgetreten und hatte damals auch sein Landtagsmandat niedergelegt.