Sexueller Missbrauch einer Zwölfjährigen: Angeklagter kommt mit Bewährungsstrafe davon

03. November 2016 - 11:12 Uhr

"Für sie war es das erste Mal"

War der Sex zwischen der damals zwölfjährigen Sarah (Name geändert) und ihrem Freund Ronny R. (23) wirklich einvernehmlich? Das Gericht ist überzeugt: Ja. In Plauen wurde der junge Mann deshalb zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

In dem Prozess ging es um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Der Angeklagte soll insgesamt 42 Mal Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gehabt haben. Die beiden betrachten sich selbst als ein Liebespaar – er war offenbar ihre erste große Liebe. Ganz unverhohlen berichtet er vom ersten Sex mit der Minderjährigen: "Wir hatten Alkohol getrunken. Ich hielt mit einer Hand ihren Arm fest und mit der anderen zog ich sie aus. Für Sarah war es das erste Mal."

Die Konsequenzen scheinen weder ihm noch ihr bewusst: Sex mit Minderjährigen ist strafbar. Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren geahndet. Und trotzdem ist Ronny R. weiter auf freiem Fuß. Wie kann das sein?

"Ich wusste nichts von einer sexuellen Beziehung"

Das Gericht geht bei seinem Urteil davon aus, dass der Sex zwischen den beiden einvernehmlich war. In diesem Fall werde laut Strafrechtler Jan Siebenhüner aus dem schweren sexuellen Missbrauch ein minderschwerer Fall. Deshalb muss Ronny R. nicht ins Gefängnis. Lediglich eine Bewährungsstrafe und ein Kontaktverbot zu der inzwischen 14-Jährigen wurden gegen Ronny R. verhängt.

Sarahs Mutter hat von dem Verhältnis der beiden lange Zeit nichts mitbekommen. "Ich wusste nichts von einer sexuellen Beziehung und dachte, sie wären Freunde", sagt sie der 'Bild'-Zeitung in einem Interview. Erst verräterische SMS auf dem Handy der Tochter offenbarten ihr das sexuelle Verhältnis mit dem elf Jahre älteren Mann. Daraufhin habe sie ihn angezeigt und den Prozess ins Rollen gebracht.