Viele Täter entkommen ihrer Strafe

Sexueller Missbrauch an Kindern: Verein kämpft für Abschaffung der Verjährungsfrist

17. August 2020 - 20:14 Uhr

Im Video: Vorsitzender Markus Diegmann über eigene Erfahrungen

Die nordrhein-westfälische Stadt Bergisch Gladbach ist zu trauriger Berühmtheit gelangt, ebenso wie Münster und Lügde. Die Stadt steht für einen Missbrauchsskandal gewaltigen Ausmaßes. Auf mehr als 30.000 Spuren sind die Ermittler gestoßen – in Foren, Gruppenchats und Messenger-Diensten. Aber viele Sexualstraftäter fliegen nicht auf und entkommen nach vielen Jahren einer Strafe, weil ihre Verbrechen verjähren. Der Verein "Tour41" will, dass das Gesetz geändert und die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch an Kindern abgeschafft wird. Der Vorsitzende Markus Diegmann wurde als Kind selbst missbraucht, und auch die Taten seiner Peiniger sind inzwischen verjährt. In unserem Video berichtet er von seinem Schicksal.

Verein "Tour41": Verjährungsfrist soll weg

Markus Diegmann (Foto: rtl)
Markus Diegmann, Vorsitzender des Vereins „Tour41“, wurde als Kind selbst missbraucht.

Ein wesentliches Ziel von "Tour41" und Verbündeten ist die Abschaffung der Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch an Kindern. Viele Betroffene bräuchten jahrelang, um das Geschehen zu verarbeiten. Oft haben sie erst als Erwachsene die Kraft, Anzeige zu erstatten. Deswegen sei die Verjährungsfrist ein nicht hinnehmbares Hindernis, so Diekmann.

Das führe dazu, dass Betroffene keine Handhabe mehr hätten. Ermittlungsbehörden seien ohne rechtliche Grundlage handlungsunfähig. Schlimme Konsequenz: Die Täter können unbehelligt weitermachen. Um die Verjährungsfrist abzuschaffen, hat der Verein ein Online-Petition eingerichtet, die bis zum 17. August 2020 410.000 Menschen unterzeichnet haben.

Fakten und Hintergründe zu den Missbrauchsfällen Münster, Bergisch Gladbach und Lügde

 Nordrhein-Westfalen, Lügde: Auf dem Campingplatz Eichwald, in der inzwischen eingezäunten Parzelle des mutmaßlichen Täters, hängt vor dem versiegelten Campingwagen eine Banderole mit der Aufschrift: "Polizeiabsperrung".
Der Campingwagen aus Lügde wurde zum Symbol eines erschütternden Missbrauchskomplexes..
© dpa, Guido Kirchner, gki htf jol