Sexuelle Belästigung vor laufender Kamera: Belgische Reporterin an Weiberfastnacht begrabscht

Die belgische Reporterin Esmeralda Labye wurde an Weiberfastnacht in Köln vor laufender Kamera von zwei Männern (hier nicht im Bild) begrabscht. (Screenshot: RTBF)
Die belgische Reporterin Esmeralda Labye wurde an Weiberfastnacht in Köln vor laufender Kamera von zwei Männern (hier nicht im Bild) begrabscht. (Screenshot: RTBF)

08. Februar 2016 - 11:13 Uhr

"Ich war schockiert“

Eine belgische Reporterin ist während einer Live-Übertragung vom Kölner Karneval an Weiberfastnacht sexuell belästigt worden. Auf den TV-Bildern ist zu sehen wie sich zwei Männer von hinten nähern und die 42-jährige Esmeralda Labye begrabschen.

Labye sprach am Abend in einer Fernsehsendung über den Vorfall. Erst hätten die Täter nur Blödsinn hinter ihr gemacht, ihr dann aber an die Brust gegriffen, erzählte sie. "Ich war schockiert."

Der Informationsdirektor ihres Senders RTBF, Jean-Pierre Jacqmin, teilte mit, dass sich Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker für den Vorfall entschuldigt hat.

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Die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe ist in Köln zu Beginn des Straßenkarnevals deutlich gestiegen. Es seien 22 Sexualdelikte an Weiberfastnacht angezeigt worden, sagte Polizeidirektor Michael Temme. Im vergangenen Jahr waren es nur neun und davor zehn. Zwei der 22 Delikte waren schwerwiegend. Im ersten Fall war das Opfer eine belgische Fernsehreporterin.

"Diese Journalistin ist unter den Augen der laufenden Kamera begrapscht und sexuell belästigt worden", sagte Temme. Der zweite Fall betrifft eine Frau, die auf dem Heimweg niedergeschlagen und "offenbar auch vergewaltigt wurde", wie Temme sagte. "Wir führen die gestiegene Zahl (der Übergriffe) darauf zurück, dass die Anzeigebereitschaft eine deutlich veränderte ist."

Vermutlich sei die Bereitschaft, solche Vorfälle auch tatsächlich anzuzeigen, seit den Vorfällen der Kölner Silvesternacht gestiegen. Temme berichtete von einem Fall, in dem ein Türsteher zu einer Frau gesagt haben soll, er wolle sie nur gegen 25 Euro oder ein «Bützje» (Küsschen) reinlassen. «Ich will das nicht verharmlosen, aber das zeigt doch, dass sich die Anzeigebereitschaft der Frauen verändert hat», sagte Temme. Vor einem Jahr wäre das sicher noch nicht angezeigt worden.