Sexuelle Belästigung: So gefährlich ist das Oktoberfest für Frauen

© dpa, Andreas Gebert

26. September 2018 - 17:59 Uhr

Für Frauen und Mädchen gibt es eine extra Anlaufstelle

Genuss, Tracht und Tradition – das macht das Münchner Oktoberfest aus. Seit Samstag feiern wieder Millionen Besucher ausgelassen auf der Theresienwiese. Doch die fröhliche Stimmung kann auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Im Gedränge werden Frauen und Mädchen immer wieder begrapscht und sexuell genötigt. Doch die wenigsten gehen zur Polizei - weil die Übergriffe leider längst normal geworden zu sein schein.

Mehrere sexuelle Übergriffe bereits am ersten Wochenende

Es ist der erste Wiesn-Samstag: Kurz vor Mitternacht beobachtet ein Mitarbeiter der Geländesicherheit einen 25-jährigen Münchner, der gerade aus einem Gebüsch kam und sich dabei die Lederhose zuknöpfte. Dort lag eine 21-jährige Touristin aus Finnland, direkt daneben ihr Slip. Der stark alkoholisierte Mann wurde vorläufig festgenommen, ist aber wieder auf freiem Fuß.

Noch am selben Tag fotografierte ein 30-jähriger Italiener drei Frauen unter den Rock. Sie zeigten ihn an. Zuvor begrapschten zwei Münchner im Alter von 24 und 43 Jahren im Zelt eine Schwedin (24) im Intimbereich. Sie wurden festgenommen.

Frau mit Maßkrug ins Gesicht geschlagen

Am Sonntag grapschte ein 27-jähriger Tourist aus Australien im Zelt einer 20-Jährigen an die Brust, zerriss einer weiteren Frau das Dirndl. Auch er wurde festgenommen.

Am Abend verhinderte eine Toilettenfrau offenbar eine Vergewaltigung. Sie fand eine betrunkene 32-Jährige zunächst mit offener Tür in der Toilettenkabine – sie rief den Sicherheitsdienst. Als sie zurückkam, war die Tür verschlossen. Ein 26-jähriger Mann stand mit heruntergelassener Hose vor der Frau. Festnahme!

Am Montag fasste ein bislang unbekannter Mann einer 43-Jährigen unter den Rock. Die Frau forderte den Mann auf, das zu unterlassen. Als er dann abfällig reagierte, schüttete sie ihr Getränk auf ihn. Daraufhin schlug der Mann ihr mit seinem Maßkrug ins Gesicht. Die Frau wurde glücklicherweise nur leicht verletzt. Sie erstattete Anzeige.

Polizei hatte Anstieg der Sexualdelikte erwartet

Die schrecklichen Vorfälle zum Wiesn-Start machen vielen jungen Frauen Angst. Deshalb rät die Polizei: Frauen sollten vor allem in den Zelten und in der überfüllten U-Bahn wachsam bleiben. Zudem konnten die Behörden durch die ausgebaute Videoüberwachnung mehr Fälle registrieren und zur Anzeige bringen, als noch vor einem Jahr. Auch wenn die meisten noch nicht verifiziert werden konnten.

"Sichere Wiesn" kümmert sich vor Ort um Frauen

Falls Besucherinnen dennoch in Not geraten sollten, finden sie Hilfe und Unterstützung von der Aktion "Sichere Wiesn". Ein "Security Point" befindet sich im Servicezentrum hinter dem Schottenhamelzelt. Dort helfen rund 50 Beraterinnen in allen Lebenslagen, ob es um verlorene Handys, Geldbeutel oder Freunde, leere Akkus, regennasse Kleidung oder Gewalterfahrung geht.

Das ist nicht alles: Mit Flyern, die in der Stadt verteilt werden, und Plakaten auf der Wiesn informiert die Aktion über die Hilfsangebote und ermutigt Frauen, Übergriffe nicht hinzunehmen. "Nein heißt nein, auch auf dem Oktoberfest."

Zudem fordern sie alle Besucher auf, aufmerksam zu sein und Zivilcourage zu zeigen, wenn ein Mädchen oder eine Frau belästigt wird. Wer sich nicht traut, alleine einzuschreiten, sollte am besten Hilfe bei der Polizei, dem Personal, den Securities, anderen Gästen holen.