Sexualmord an Eisverkäuferin nach fast 30 Jahren gestanden: " Sie hat mich beschimpft, dann bin ich ausgerastet"

Sexualmord an Eisverkäuferin nach 30 Jahren gestanden: " Sie hat mich beschimpft, dann bin ich ausgerastet"
Der Angeklagte im Mordprozess Antonella B. in einem Verhandlungssaal des Landgerichts Karlsruhe
dpa, Uli Deck

"Habe es nicht mehr ausgehalten" – Mann stellte sich der Polizei nach drei Jahrzehnten

Vor fast 30 Jahren wurde die jungen italienische Eisverkäuferin Antonella B. getötet. In diesem Jahr stellte sich der Täter weil er seine Schuld nicht mehr ertragen konnte. Am 16. Oktober wird in Karlsruhe das Urteil über den Angeklagten gesprochen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor und verlangt eine Haftstrafe von sechs Jahren nach Jugendstrafrecht. Aus Sicht der Verteidigung war es Totschlag und kein Mord. Da Totschlag - im Gegensatz zu Mord - nach 20 Jahren verjährt, plädiert die Verteidigung auf Freispruch.

Der Prozess begann mit einem Geständnis: Der heute 48-jährige Angeklagte gab zu, die 25-jährige Antonella B. im Karlsruher Hardtwald getötet zu haben. Der Täter blieb fast drei Jahrzehnte unentdeckt - bis sich der in der Schweiz lebende Mann im Februar den Behörden in Basel stellte.

Am 21. Juni 1987 spricht die 25-Jährige den Mann in einem Karlsruher Waldstück an, sagt er. Sie fragt ihn nach Pferden. Anschließend fährt sie mit dem Fahrrad weg. Der Mann verfolgt sie, ebenfalls mit dem Rad. Als er die Italienerin einholt, reißt er sie vom ihrem Rad, weil er mit ihr schlafen will. "Sie hat mich beschimpft, dann bin ich ausgerastet."

Die Tote wird einen Tag später von Spaziergängern gefunden, gequält, sexuell missbraucht, gefesselt und stranguliert. Trotz aufwendiger Suche und Hunderten von Hinweisen wurde ihr Peiniger nie gefunden - bis sich der mutmaßliche Täter Ende Februar in der Schweiz der Polizei stellte. Er war direkt nach der Tat in das Nachbarland ausgewandert, zu keiner Zeit zählte er zum Kreis der Verdächtigen. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten", so der Angeklagte.

Seit seiner Auslieferung nach Deutschland sitzt der Mann in Untersuchungshaft.