Sexistische Werbung: Autovermieter Sixt wirbt mit nackten Hintern und macht sich über Dicke lustig

Zurzeit macht Sixt mit sexistischer Werbung auf sich aufmerksam
Logos des Autovermieters Sixt
DPA

Ungewöhnliche Werbestrategie

Der Autovermieter Sixt ist stolz auf seine ungewöhnliche Werbung. Es gab zum Beispiel 2001 ein berühmtes Plakat mit Fotos von Angela Merkel, die eine neue Frisur bekam, da ihr beim Cabrio-Fahren die Haare zu Berge standen. Das sah lustig aus und erregte Aufsehen, war aber nicht beleidigend. Mit einem sexistischen Internet-Werbespot hat Sixt sich nun aber sehr unbeliebt gemacht.

Von Christiane Mitatselis

Korpulente Frauen werden herabgewürdigt

In dem Filmchen sind hauptsächlich gut geformte Frauen-Hintern in knappem Tangas am Strand zu sehen – was gängiger, in der Werbung praktizierter Sexismus ist, der noch nicht einmal besonders auffiele, wenn nicht gleichzeitig korpulente Frauen herabgewürdigt würden. Nachdem in dem Spot ein Sprecher verkündet hat, die jungen Leute könnten sich im Urlaub keine Kleider leisten, da sie zu viel Geld für Mietwagen ausgäben (hahaha!), wird eine sehr füllige Dame im Bikini gezeigt. „Sixt sagt 'pfui'“, heißt es weiter, und der Schriftzug „Pfui“ wird über das Bild der Rubens-Frau gelegt.

Worum es hier geht, ist klar: Sixt will, dass man über die Firma redet, egal wie. Man macht sich einfach in hässlicher Weise über Dicke lustig und fährt die Ernte ein. Dass die Kommentare in den sozialen Medien negativ ausfallen würden, war vorher klar und gehört zum Kalkül - nach dem Motto: Hauptsache, unsere Marke wird wahrgenommen, Hauptsache, wir sind im Gespräch. Sixt sei bekannt für provokante Anzeigen und Spots, heißt es in einem Statement der Firma. „Dabei wollten wir aber niemanden diskriminieren. Es ist uns wichtig, dass sämtliche Werbemaßnahmen mit einem sixt-typischen Augenzwinkern verstanden werden.“

Das soll wohl heißen: Die Firma macht sich augenzwinkernd über dicke Frauen lustig, allerdings ohne sie zu diskriminieren, denn man meint es ja nicht böse. Nach dieser Logik kann man auch jemanden einen Eimer Gülle über den Kopf gießen, sich dabei kaputt lachen und fordern, dass es das Opfer mit Humor nehme. Denn man hat ja beim Gießen lustig mit den Augen gezwinkert. Dass der andere sich hundeelend fühlt, dass er das Ganze überhaupt nicht spaßig findet? Sein Problem!

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Durch Provokation mehr Aufmerksamkeit

Provokation ist in der Werbung ein Mittel, das effektiv sein kann, da mit geringem Aufwand große Wirkung und Reichweiten erzielt werden können. Gern wird mit Tabus gespielt. Berühmt sind die Kampagnen von Benetton aus den 1990er Jahren. Das Fashion-Label warb mit Fotos von Aidskranken oder ölverschmierten Enten für ihre Strickpullis. Benetton kam dadurch weltweit ins Gespräch. Man musste diese Art der Schock-Werbung nicht mögen, so plump und eindimensional wie der Sixt-Spot waren die Fotos der italienischen Modefirma aber nie.

Wer den Bogen überspannt, kann auch Kunden verlieren. In einem Twitter-Kommentar schreibt eine Userin, sie frage sich, ob sie überhaupt noch Sixt-Autos benutzen könne. Ihr Hintern könnte dafür ja eventuell zu groß sein.

Nach dieser Werbung könnte sich für Frauen also die Frage stellen, ob sie im Wagen eines anderen Autovermieters nicht mit einem deutlich besseren Gefühl fahren.