Sexismus: FDP stärkt Brüderle den Rücken – Bürger wollen Entschuldigung

28. Januar 2013 - 22:13 Uhr

Brüderle selbst schweigt

Der designierte FDP-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Rainer Brüderle, schweigt weiter zu den gegen ihn erhobenen Sexismus-Vorwürfen. Beim Neujahrsempfang der nordrhein-westfälischen FDP in Düsseldorf erwähnte der Bundestagsfraktionschef die Affäre mit keinem Wort. Lautstark wie immer appellierte er: "Die FDP darf nicht verlernen, sich freuen zu können!"

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Westerwelle fordert die FDP zu Solidarität mit Brüderle auf.
© dpa, Soeren Stache

Außenminister Guido Westerwelle forderte seine Partei zu Solidarität mit ihrem Frontmann auf: "Selbstbewusstsein ist jetzt gefragt. Kein gebückter Gang, gerades Kreuz." Für den Mann an der Spitze gebe es bei den politischen Konkurrenten und "in einigen Redaktionsstuben kein Pardon mehr", sagte Westerwelle. "Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die sich kennen, Zerrbilder, die in Medien über Menschen verbreitet werden, nicht durchgehen lassen."

Einer großen Mehrheit der Deutschen gehen Brüderles angebliche anzügliche Bemerkungen laut einer Emnid-Umfrage zu weit. 90 Prozent halten eine Entschuldigung für angemessen, sollten die Vorwürfe sich als wahr herausstellen. 45 Prozent sprechen sich dann sogar für einen Rücktritt Brüderles aus - ebenso viele Befragte sehen dafür keinen Grund.

"Mit Ihrer Oberweite können Sie ja alles tragen!" Diese Aussage sollten Frauen in einer Forsa-Umfrage für RTL bewerten. Demnach sehen 60 Prozent der Befragten diese Äußerung als Belästigung an, 34 Prozent empfinden sie nicht als sexistisch.

Lindner bleibt still

Und während sich die Debatte weiter aufheizt, Brüderle aber beharrlich schweigt, übt sich auch ein anderer Liberaler in Zurückhaltung: Christian Lindner. Über seine eigene politische Zukunft sagt der vorsichtige Stratege vor den Parteifreunden nichts. Lindner wird für den vorgezogenen Bundesparteitag im März als Vizeparteichef gehandelt.

Sollte Brüderle die Sexismus-Affäre als Spitzenkandidat nicht überstehen, würde der Ruf nach Lindner wieder lauter. Doch der 34-Jährige will noch nicht an die Spitze und unterstützt - wohl auch deshalb - den Altgedienten.

Die Liberalen können sich keinen weiteren Imageverlust leisten. In aktuellen Umfragen liegen sie bei vier Prozent. Mit einem solchen Wahlergebnis bei der Bundestagswahl im Herbst flöge die FDP aus dem Parlament.