Sex-Video im Web: Student begeht Selbstmord

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22. Mai 2012 - 20:02 Uhr

Es ist ein furchtbarer Fall von Cyber-Mobbing: Weil ihn sein Mitbewohner in einem New Yorker Studentenwohnheim heimlich beim Sex mit einem Mann filmte und das Video ins Internet stellte, nahm sich der 18-jährige Tyler Clementi das Leben. Er konnte die Schmach einfach nicht ertragen.

Als schüchternen, freundlichen Jungen beschreiben Bekannte den Studenten, der als talentierter Violinist galt. Seine Facebook-Seite war nur für Freunde zugänglich - Privatsphäre im Web war ihm offenbar wichtig. Doch diese wurde ihm genommen - mit verheerenden Folgen.

Am 19. September wollte Tyler Clementi einige Stunden alleine sein und bat seine Mitbewohner Dharun Ravi und Molly Wei, ihm die gemeinsame Wohnung zu überlassen. Kurze Zeit später postet Dharun über seinen Twitter-Account: "Mein Mitbewohner wollte unser Zimmer bis Mitternacht haben. Ich bin in Mollys Zimmer gegangen und habe meine Webcam eingeschaltet. Ich sah, wie er mit einem anderen Typen rumgemacht hat. Yeah."

Dharun R. postete per Twitter: "Ich sah, wie er mit einem anderen Typen rumgemacht hat. Yeah.“
Dharun R. postete per Twitter: "Ich sah, wie er mit einem anderen Typen rumgemacht hat. Yeah.“
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Doch damit nicht genug. Das Sex-Video stellen die beiden ebenfalls online. Die Internetgemeinschaft 'feiert' sie dafür. Anders Tyler Clementi. Für ihn ist das alles zuviel. Sein öffentliches, ungewolltes Outing erträgt der 18-Jährige nicht. Wenige Tage nach der Video-Veröffentlichung springt er von der New Yorker George-Washington-Brücke in den Tod. In seinem Auto findet die Polizei eine Nachricht auf seinem Handy: "Ich springe jetzt, sorry", so der Text, den Tyler auf seinem Facebook-Profil postet.

Seine Mutter macht den Mitbewohnern schwere Vorwürfe. "Mein Sohn ist tot. Niemand kann ihn zurückbringen. Die beiden realisieren langsam, was sie da gemacht haben. Dass es falsch war. Sie haben es nicht Ernst genommen", sagt Amy Truong. Dharun R. und Molly W. stellten sich nach dem Verschwinden von Tyler der Polizei. Sie müssen sich nun wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten verantworten, ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.