11. Juni 2019 - 10:36 Uhr

Nach der Verurteilung des Serienmörders Niels Högel hat die Oldenburger CDU den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Dirk Tenzer am Klinikum Oldenburg gefordert. Dieser habe bewusst Informationen zurückgehalten und sei deshalb für das Klinikum nicht länger tragbar, sagte CDU-Chef Christoph Baak der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Samstag). Tenzer war während des Mordprozesses gegen den früheren Krankenpfleger am Oldenburger Landgericht wegen der Informationspolitik des Klinikums in die Kritik geraten.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann hatte während der Urteilsverkündung am Donnerstag den Aufklärungswillen von Tenzer angezweifelt. Wichtige Protokolle und Strichlisten mit Todesfällen seien erst spät an die Ermittler weitergegeben worden. Außerdem sei offenbar durch von der Klinik bezahlte Zeugenbeistände versucht worden, Mitarbeiter in ihren Aussagen zu beeinflussen.

Das Klinikum hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von einer vorbehaltlosen Offenheit bei der Aufklärung gesprochen. Die anwaltliche Unterstützung der Mitarbeiter sei Teil der Fürsorge als Arbeitgeber gewesen. In einer am Montag verbreiteten vierseitigen persönlichen Erklärung weist Tenzer den Vorwurf der Vertuschung vehement zurück. Die Anschuldigungen seien substanzlos und unhaltbar, heißt es darin.

Die Strichliste zum Beispiel habe er den Ermittlungsbehörden im April 2016 freiwillig überreicht. Als ein Mitarbeiter ihm die Liste im September 2014 übergab, habe er ihr nicht die Relevanz beigemessen, wie er es heute tun würde. Tenzer wurde Anfang 2013 Klinikchef in Oldenburg. Im September 2014 erfuhr er nach eigenen Angaben, dass ein Mordprozess gegen einen Krankenpfleger aus Delmenhorst geführt wurde, der vorher in Oldenburg beschäftigt war. Daraufhin habe er eine Untersuchung zu etwaigen Taten in Oldenburg veranlasst, noch bevor die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren hierzu eingeleitet habe, betonte Tenzer.

Das Landgericht Oldenburg hatte den Ex-Krankenpfleger Högel wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte seine Opfer in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst zwischen 2000 und 2005 mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

Quelle: DPA