Serienkiller: Höchste Terror-Alarmstufe in Toulouse

25. März 2012 - 20:50 Uhr

Sarkozy: Rassistisches Motiv wahrscheinlich

Nach den Anschlägen der vergangenen Tage mit sieben Toten in Südwestfrankreich ist nun klar, dass es sich um einen Serientäter handelt. "Jedes Mal wenn dieser Mann in Aktion tritt, handelt er, um zu töten. Er lässt seinen Opfern keine Chance ", sagte Präsident Nicolas Sarkozy. Ein rassistisches Motiv sei wahrscheinlich. Beim jüngsten Anschlag vor einer jüdischen Schule in Toulouse waren vier Menschen gestorben.

Toulouse Anschläge jüdische Schule Waffe
Nach der Schießerei vor einer jüdischen Schule mit vier Toten steht die Stadt unter Schock.
© dpa, Laurent Theillet

Deshalb hat Sarkozy nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts für die Region den Anti-Terrorismus-Plan 'Vigipirate' aktiviert, die höchste Terror-Alarmstufe, die es in Frankreich gibt. Alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen werden besonders gesichert. Der Mann sei gefährlich und müsse schnellstens gefasst werden, erklärte Sarkozy, der seinen Wahlkampf bis Mittwoch aussetzen will

An der jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse sind drei Kinder und ein Lehrer erschossen worden. Der Täter gab die Schüsse von einem Motorrad aus ab und flüchtete unerkannt. Offenbar gibt es zwischen der Tat und weiteren zwei Anschlägen auf Soldaten in der Region einen Zusammenhang.

Der Anschlag ereignete sich vor der Schule Ozar Hatorah. Staatsanwalt Michel Valet sagte, der Täter habe auf alle Personen in seiner Nähe geschossen. Kinder seien von ihm in die Schule gejagt worden. Den Angaben zufolge kamen ein 30-jähriger Hebräischlehrer, seine beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren sowie ein weiteres Kind ums Leben. Ein Opfer im Alter von 17 Jahren sei angeschossen und ins Krankenhaus gebracht worden. Weinende Eltern suchten vor der Schule nach ihren Kindern. "Ich habe zwei Tote vor der Schule gesehen, ein Erwachsener und ein Kind", sagte ein Vater RTL. In dem Gebäude hätten die Körper von zwei Kindern gelegen. "Es war ein Bild des Grauens." Das Attentat an der Schule gilt als einer der mörderischsten Anschläge auf eine jüdische Einrichtung seit drei Jahrzehnten.

Dieselbe Waffe und derselbe Motorroller

Den Ermittlungen zufolge benutzte der Angreifer eine Waffe und ein großkalibriges Gewehr. Dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um dasselbe Gewehr, mit dem auch die Schüsse auf vier Soldaten in Toulouse und Montauban in den vergangenen Tagen abgefeuert wurden. Drei Männer nordafrikanischer Abstammung im Alter von 24 bis 28 Jahren kamen bei den zwei Anschlägen ums Leben. Bei dem noch in Lebensgefahr schwebenden vierten Opfer handelt es sich um einen farbigen Franzosen. Außerdem benutzte der Täter für die Flucht denselben Motorroller. Dieser soll kurz vor dem ersten Anschlag in Toulouse gestohlen worden sein.

Die methodische Vorgehensweise des Mannes ließ Spekulationen aufkommen, es handele sich um einen ehemaligen Soldaten. Nach Medienberichten hatte er sein erstes Opfer vor einer Woche mit einem einzigen Kopfschuss getötet.

Die Polizei verfolgt mehrere Hypothesen: Sie reichen von der Wahnsinnstat eines traumatisiert aus Afghanistan zurückgekehrten Militärs über einen verrückten Waffennarren bis zu möglichen Racheakten zum Jahrestag des Abkommens von Evian, das sich am Sonntag zum 50. Mal jährte. Es hatte 1962 einen blutigen Kolonialkrieg beendet und dem damaligen Französisch-Algerien den Weg in die Unabhängigkeit geebnet.

Sarkozy ordnete für Dienstag eine Schweigeminute in allen Schulen des Landes an. "Ich kann nicht akzeptieren, dass man Kinder in einer jüdische Schule massakriert, das ist eine Tragödie", sagte er. "Der Hass, die Grausamkeit darf nicht gewinnen." Auch die Sicherheitsvorkehrungen für alle jüdischen Schulen in Frankreich wurden verstärkt. Das Land hat mit 600.000 Juden die größte Gemeinde in Europa.