Serge Gnabry: Vom "Wunderkind" zum "Super-Helden"

Serge Gnabry jubelt nach seinem Tor in Swansea. Er ist der zweitjüngste Torschütze in der Liga-Geschichte.
Serge Gnabry jubelt nach seinem Tor in Swansea. Er ist der zweitjüngste Torschütze in der Liga-Geschichte.
© imago sportfotodienst

05. Dezember 2013 - 10:50 Uhr

Dem FC Arsenal bot sich am Wochenende bei Swansea City die große Chance, die Tabellenführung in der Premier League auszubauen. 58 Minuten lang war das Spiel alles andere als ein Leckerbissen. Die Waliser verteidigten mit Mann und Maus, die Angriffe der 'Kanoniere' verpufften. Doch dann schlug die Stunde von Serge Gnabry, 18 Jahre alt, Deutscher.

Mit einem satten Rechtsschuss erzielte der U19-Nationalspieler die Führung für die 'Gunners' und leitete den 2:1-Sieg ein. Mit 18 Jahren und genau 76 Tagen ist Gnabry zweitjüngster Liga-Torschütze in der Geschichte des Vereins - hinter einem gewissen Cesc Fabregas. "Serge überrascht mich. Er hat Talent, aber auch die Persönlichkeit auf dem Platz, um es weit zu bringen. Seine Aktionen stecken voller Überzeugung", lobte Teamchef Arsene Wenger den rechten Mittelfeldspieler, den er zum ersten Mal in der Liga von Beginn an aufgeboten hatte.

Bereits am Mittwoch hatte Gnabry im League Cup in West Bromwich (5:4 n.E.) 120 Minuten auf dem Platz gestanden. Trotz eines vergebenen Elfmeters überzeugte er auch da. "Im Stile eines Super-Helden aus einem Comic" habe Gnabry seine Aufgaben in dieser Woche gelöst, schwärmte die 'Sun' von dem jungen Deutschen.

Gnabry, Sohn einer deutschen Mutter und des ivorischen Ex-Nationalspielers Jean-Hermann Gnabry, hat eine 'schwäbische Bilderbuchkarriere' hinter sich. Von seinem Heimatverein Weissach führte sein Weg über Clubs wie Ditzingen und Feuerbach erst zu den Stuttgarter Kickers und schließlich zum VfB Stuttgart. Dort kickte er jedoch nur ein Jahr in der B-Jugend, ehe der FC Arsenal mal eben 100.000 Euro Aufwandsentschädigung für das Talent locker machte. Bei seiner Ankunft auf der Insel wurde Gnabry bereits als "Next German Wunderkind" gefeiert.

Wenger: "Sorry, aber er ist Deutscher"

Per Mertesacker; Mesut Özil; Serge Gnabry
Serge Gnabry in bester Gesellschaft mit seinen deutschen Teamkollegen Per Mertesacker und Mesut Özil

Nach nur einem Jahr in der Nachwuchsakademie erhielt Gnabry als damals 17-Jähriger einen Profivertrag. Sein kometenhafter Aufstieg setzte sich fort. Wenger bescherte Gnabry am 8. Spieltag in Norwich sein Premier-League-Debüt und wechselte ihn sogar in der Champions League im Heimspiel gegen Schalke ein.

Doch so steil es mit Gnabry bis hierhin bergauf ging, so schnell ging es anschließend bergab. Ein eingeklemmter Nerv und diverse Muskelverletzungen stoppten ihn. Schnell machten Meldungen über seine angeblich mangelhafte Einstellung die Runde, es hieß, er habe Gewichts- und Konditionsprobleme. Gnabry kam über die Reservemannschaft nicht mehr hinaus, absolvierte nach dem Jahreswechsel aber auch hier nur sieben Einsätze von Beginn an.

In dieser Saison scheint ihm aber der endgültige Durchbruch zu gelingen. Schon sechs Mal stand er in der Premier League im Profi-Kader. Nur in der Champions League musste er noch in der U21 ran, trumpfte beim 4:1-Erfolg in Marseille aber mit einem Doppelpack auf. Vier Tage später folgte die Belohnung, Wenger wechselte Gnabry beim Ligaspiel gegen Stoke City erstmals in dieser Saison ein. Es folgte der große Auftritt gegen Swansea. Die Chance, die sich Gnabry durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Theo Walcott und Alex Oxlade-Chamberlain bietet, packt er beim Schopfe.

"Großartiger Sieg. Glücklich, dass ich mein erstes Tor für Arsenal erzielt habe", twitterte Gnabry, der gerade einmal 14 Monate alt war, als Wenger im Oktober 1996 Arsenal-Trainer wurde. "Von diesem Moment habe ich immer geträumt", sagte er und dankte allem Teammanager Wenger: "Er hat an mich geglaubt. Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben." Der Franzose scheint bereits fest mit einer großen Karriere des Youngsters zu rechnen. "Sorry", sagte Wenger in Richtung der englischen Fans: "Tut mir leid, aber er ist Deutscher und kein Engländer."

Steffen Schmidt