Prozessbeginn gegen Mann aus Sereetz am Landgericht Lübeck

Wegen Corona-Depressionen? Vater versuchte, seinen 14 Monate alten Sohn zu erwürgen und ihm das Genick zu brechen

Angeklagter Sönke O. am Landgericht Lübeck. Er hat gestanden, dass er seinen 14 Monate alten Sohn erwürgen und ihm das Genick brechen wollte.
Angeklagter Sönke O. am Landgericht Lübeck. Er hat gestanden, dass er seinen 14 Monate alten Sohn erwürgen und ihm das Genick brechen wollte.
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22. Dezember 2020 - 15:34 Uhr

Angeklagter Sönke O.: "Ich wollte sichergehen, dass ich das Kind töte"

Am Morgen des 29. Aprils kommt es in Sereetz in der Gemeinde Ratekau in Schleswig-Holstein zu einem Familiendrama: Sönke O. ist an diesem Tag mit seinem Sohn Alexander zuhause, seine Frau ist bei der Arbeit. Das erst 14 Monate alte Kind hört wohl nicht auf zu schreien.

Beim Prozessauftakt am Landgericht Lübeck am Dienstag (22.12.) sagt Sönke O. aus, dass er dann versucht habe, den Jungen mit beiden Händen zu erwürgen. Als er bemerkte, dass das Kind noch atmet, habe er den Kopf seines Sohnes um 180 Grad gedreht, um einen Genickbruch zu verursachen. Unter Tränen sagt der 36-Jährige: "Ich wollte sichergehen, dass ich das Kind töte." Sein Sohn Alexander überlebt die Attacke mit schweren Verletzungen. Nach der Tat verursachte der Angeklagte, nach eigenen Angaben, auf der A1 in Fahrtrichtung Fehmarn einen Unfall zu verursachen, um sich das Leben zu nehmen.

Der Auslöser: Corona-Depressionen?

Beim Prozessauftakt sagt Sönke O.: "Ich bin glücklich darüber, dass mein Sohn keine bleibenden Schäden davontragen wird. Es tut mir leid, dass ich sowas Schlimmes vor hatte." Die Tat könne er aus heutiger Sicht nicht erklären. "Wenn ich mich erinnere, stehe ich wie ein Geist daneben und habe keinen Einfluss darauf, was passiert. Ich habe vor der Tat nie darüber nachgedacht, meinem Sohn etwas anzutun." Der 36-Jährige wollte sich zwei Wochen vor der Tat wohl selbst in die Psychiatrie einweisen. "Ich habe durch den Lockdown Depressionen bekommen, Angst- und Schlafstörungen", sagt er vor Gericht aus. Ein Arzt habe ihm aber gesagt, es sei nicht so schlimm. Daraufhin habe er Stimmungsaufheller und Schlafmittel bekommen.

Seine Frau hat ihm verziehen

Am Landgericht Lübeck wird auch die Beziehung zu seiner Frau thematisiert. Die Bankfachwirtin war während der Tat an ihrer Arbeitsstelle. Mittlerweile haben sich die beiden wieder angenähert, schreiben Briefe und telefonieren miteinander. Laut Sönke O. habe seine Frau ihm verziehen, man könne sich einen gemeinsame Zukunft vorstellen.

Sönke O. ist wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Ein Urteil wird im Februar erwartet.