Gewaltverherrlichende Inhalte bei "Telegram" verkauft

40 Jahre Haft für Kopf von Erpresserring: Mädchen mit Stellenanzeigen gelockt und missbraucht

Über den Messengerdienst "Telegram" verkauften die Erpresser die pornografischen und gewaltverherrlichenden Inhalte an Tausende Kunden.
© dpa, Sergei Konkov, kde gfh

26. November 2020 - 14:20 Uhr

Ein Komplize war erst 16 Jahre alt

Die Täter lockten junge Frauen und Mädchen mit falschen Stellenanzeigen und verlangten Nacktfotos und -videos. Danach drohten sie, das Material zu veröffentlichen, wenn sie nicht weiteren erniedrigenden Aufnahmen zustimmten. Die pornografischen und gewaltverherrlichenden Bilder wurden über den Messengerdienst "Telegram" verkauft – Ermittler schätzten, dass der betreffende Chat etwa 10.000 Mitglieder hatte. Nun wurde der Kopf der Erpresserbande in Seoul zu einer langen Haftstrafe verurteilt.

Haupttäter müsse lange Zeit aus Gesellschaft verbannt werden

Der Drahtzieher der Bande muss 40 Jahre ins Gefängnis. Das Bezirksgericht in Seoul befand den 25-jährigen Betreiber des Chat-Rooms "Baksabang" für schuldig, als Kopf eines Erpresserrings sexuell ausbeuterische Inhalte verbreitet zu haben, die er dadurch erzeugt habe, dass er seine Opfer angelockt und bedroht habe. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich gefordert. Gegen fünf Komplizen, einschließlich eines 16-jährigen Teenagers, wurden Berichten südkoreanischer Sender zufolge Strafen von sieben bis 15 Jahren verhängt.

Der Haupttäter müsse wegen "der Schwere seiner Verbrechen, der großen Zahl der Opfer und des ihnen zugefügten Schadens" sowie des "bösartigen Einflusses" lange Zeit aus der Gesellschaft verbannt werden, wurde das Gericht von der nationalen Nachrichtenagentur "Yonhap" zitiert. Auch habe er keine Reue gezeigt. Der Hauptangeklagte verstieß demnach unter anderem gegen Gesetze zum Schutz von Minderjährigen.

Unter den Opfern sind auch 16 Minderjährige

Der Fall hatte in Südkorea einen öffentlichen Aufschrei ausgelöst. Im März hatte die Polizei den Namen des Hauptverdächtigen veröffentlicht, nachdem Millionen von Menschen entsprechende Petitionen unterzeichnet hatten. Laut Polizei wurden mindestens 74 Frauen - darunter 16 Minderjährige - über mehrere Monate hinweg Opfer sexueller Ausbeutung und Gewalt.