Sicherheit im Verkehr

Seniorin (81) rast in Menschenmenge: Sollten Rentner ihren Führerschein abgeben?

02. März 2020 - 15:54 Uhr

Video: Sollten Rentner regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit geprüft werden?

Eine 81-jährige Seniorin ist am Samstag in Essen mit ihrem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle reingerast, zwölf Menschen wurden verletzt. Am gleichen Tag ist ein 76-Jähriger mit seinem Van in den Gegenverkehr geraten. Dabei sind drei Menschen ums Leben gekommen, vier wurden verletzt. Nach diesen beiden schrecklichen Unfällen fordern viele Bürger: Rentner sollten regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit geprüft werden. Aber würde das wirklich was bringen? Im Video haben wir Experten gefragt.

Horror-Crash an Haltestelle in Essen: Bremse mit Gaspedal verwechselt?

29.02.2020, Nordrhein-Westfalen, Essen: Der Pkw einer Seniorin steht nahe einer Straßenbahn-Haltestelle, nachdem die 81-Jährige in eine Menschenmenge gefahren war. Elf Menschen seien verletzt worden, drei von ihnen schwebten in Lebensgefahr, sagte ei
"Vor Ort waren viele Menschen unter Schock", sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst.
© dpa, KDF-TV & Picture, sab

Kurz nach 17:30 Uhr ging am Samstag ein Notruf bei der Feuerwehrleitstelle in Essen ein: Ein BMW war an der Haltestelle Gervinusstraße im Stadtteil Frohnhausen in eine Menschengruppe gerast. Die Passanten stiegen gerade aus einer Straßenbahn, sie hatten keine Chance zu entkommen. Am Steuer des silbernen Unfallwagens: Eine 81-jährige Dame.

"Vor Ort waren viele Menschen unter Schock", sagt Polizeisprecher Christoph Wickhorst. Sie hätten gesehen, wie Menschen durch die Luft geflogen seien. An der Haltestelle versorgten Retter die Verletzten noch auf der Straße. Auch die Seniorin wurde beim Crash verletzt, sie kam in eine Klinik. Nun prüft die Polizei, ob die Rentnerin womöglich die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt hat.

Im Video: die unglaubliche Szene auf dem Parkplatz

Auch in Leonberg bei Stuttgart kam es in der vergangenen Woche zu einer unfassbaren Szene. Hier wollte ein 80-jähriger Mann beim Discounter auf einem Parkplatz mit seinem Mercedes-Benz GLK eigentlich ausparken. Doch offenbar verwechselte der Fahrer die Bremse mit dem Gas und landete durch die starke Beschleunigung auf zwei gegenüber parkenden Autos. 

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Senioren verursachen immer mehr Unfälle

29.02.2020, Nordrhein-Westfalen, Essen: Einsatzkräfte versorgen Verletzte, nachdem eine Seniorin an einer Straßenbahn-Haltestelle in eine Menschenmenge gefahren war. Elf Menschen seien verletzt worden, drei von ihnen schwebten in Lebensgefahr, sagte
Einsatzkräfte versorgen Verletzte, nachdem eine Seniorin an einer Straßenbahn-Haltestelle in eine Menschenmenge gefahren war.
© dpa, KDF-TV & Picture, sab

Ob ältere Menschen einen Test machen sollten, um ihre Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen, ist umstritten. Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, fordert: Alle Autofahrer ab 75 Jahren sollten verpflichtend eine Fahrt mit einem Begleiter machen. Der Begleiter soll die Fahrer dann anschließend über mögliche Defizite aufklären.

Der ADAC sieht in älteren Fahrern "keineswegs eine Problemgruppe im Straßenverkehr". "Entscheidend ist nicht das Lebensalter, sondern grundsätzlich der Gesundheitszustand des Fahrers und die Fahrroutine." Ältere Fahrer seien oft vorausschauender unterwegs. Sie mieden riskante Fahrmanöver und hielten mehr Abstand.

Rentnern drohen keine Fahrverbote

In Deutschland drohen Senioren daher keine Tests oder pauschale Fahrverbote. Viele Städte, wie zum Beispiel auch das baden-württembergische Bieberach, haben sich daher etwas anderes einfallen lassen: Senioren, die freiwilig den Führerschein abgeben, bekommen hier ein kostenloses Jahresabo für den öffentlichen Nahverkehr.