Selbstjustiz in Brandenburg: Polnische Erntehelfer verprügelt

16. Mai 2013 - 20:03 Uhr

Polen an Holzpaletten gefesselt und verprügelt

Ein Fall von Selbstjustiz wird zum Politikum: Im brandenburgischen Kremmen (Oberhavel) haben fünf Männer zwei polnische Erntehelfer schwer misshandelt, weil sie diese irrtümlicherweise für Einbrecher hielten. Der Mob fesselte die beiden Polen an Holzpaletten und prügelte dann auf sie ein. Einem dritten Erntehelfer war zuvor die Flucht gelungen.

Selbstjustiz: Polnische Erntehelfer in Brandenburg misshandelt
In diesem Haus ereignete sich zuvor der verhängnisvolle Einbruch, mit dem die polnischen Erntehelfer zu Unrecht in Verbindung gebracht worden waren.

Grund für den Übergriff war, dass zuvor auf einem nahe gelegenen Grundstück eine Hausbesitzerin drei Einbrecher auf frischer Tat ertappt hatte. Die Verdächtigen flüchteten in ein nahes Waldstück. Die Frau verständigte daraufhin die Polizei. Die Beamten stießen bei ihrer Fahndung nach kurzer Zeit in der Nähe auf polnische Erntehelfer, die auf einem Spargelfeld arbeiteten. Ein erster Verdacht gegen die Saisonarbeiter erhärtete sich jedoch nicht.

"Die polnischen Bürger waren vollkommen unschuldig"

Knapp zehn Stunden später wurde die Polizei wieder zum Grundstück der Frau gerufen, wo eine selbsternannte Bürgerwehr die unschuldigen Männer dingfest gemacht hatte, um sie dem Einbruchsopfer zur Gegenüberstellung vorzuführen. Hierfür fesselten die 'Hilfssheriffs' die 23 und 36 Jahre alten Polen an Holzpaletten, bevor sie die Polizei informierten.

Beim Eintreffen der Beamten stellten sie bei den Opfer Gesichtsverletzungen fest, welche ambulant behandelt werden musste. Gegen die Fünf-Mann-Bürgerwehr erließ die Polizei Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) entschuldigte sich für den Vorfall. "Die polnischen Bürger waren vollkommen unschuldig", sagte der Minister auf einer Tagung in Slubice zur Kriminalität in der deutsch-polnischen Grenzregion. "Ich möchte mich hier ausdrücklich für das Land Brandenburg bei unseren polnischen Freunden, beim polnischen Volk und bei Ihnen, Herr Botschafter, für diesen unsäglichen Vorfall entschuldigen." An der Tagung nahm der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Jerzy Marganski, teil.