Sektenexpertin warnt vor Esoterik-Trips von Promis

Die Sektenexpertin Ursula Caberta mit dem Hamburger Innensenator Michael Neumann (SPD) bei der Vorstellung ihres neuen Buchs.
© dpa, Marcus Brandt

11. August 2011 - 6:06 Uhr

Jügen Fliege schwer in der Kritik

Die Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta hat sich bislang hauptsächlich eine erbitterte Fehde mit der Scientology-Organisation geliefert und dabei bundesweit Bekanntheit erlangt. Nun hat sie in der Esoterik-Bewegung einen neuen Gegner gefunden. In einem Buch nennt sie etliche Prominente, die wissentlich oder auch unwissentlich eine ihrer Meinung nach gefährliche Szene stützen: So etwa der frühere Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der Entertainer Harpe Kerkeling oder die Sängerin Nena, die mit ihren spirituellen Erfahrungen der Esoterik-Branche dienten.

"Jürgen Fliege steht symptomatisch für diese gefährliche Entwicklung", sagte Caberta. Er sei vom evangelischen Pastor zum Esoteriker mutiert. Er veranstalte im bayerischen Bad Wörishofen ein "Fest für Körper, Geist und Seele", wo sich "Stars der Esoterik-Szene" wie Bert Hellinger, Katja Ebstein oder Rüdiger Dahlke die Klinke in die Hand gäben. Diesmal sei auch der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider angekündigt. "Da stelle ich mir dann schon die Frage, was will der Vorsitzende der EKD Deutschland bei einem spirituellen Woodstock?"

Jürgen Fliege weist diese Kritik von sich. Dass Caberta mit Hilfe des Hamburger Senats, also mit Steuergeldern, Menschen wegen ihres Glaubens diffamiere, tue ihm am meisten weh, so der 64-jährige Fernsehpfarrer. "Mit ihren Argumenten gegen den Glauben, dass Worte verändern können, könnte Frau Caberta auch die ganze christliche Religion angehen. Wir Christen glauben ja schließlich, dass beim Abendmahl Wein zum Blut Christi und eine Oblate zum Leib Christi werden kann", so Fliege.

Eindringlich warnt sie im 'Schwarzbuch Esoterik' vor selbst ernannten Heilern, Gurus, Gauklern, dubiosen Therapeuten und zahlreichen Gruppen, die Schätzungen zufolge allein in Deutschland inzwischen bis zu 20 Milliarden Euro umsetzten. "Eines haben sie alle gemeinsam: Sie können Menschen schädigen, gesundheitlich oder finanziell." Sie brächten Menschen dazu, "ihr bisheriges Leben aufzugeben, alles zu vergessen, was ihnen vorher wichtig war und ihr Leben bestimmt hat" - für Caberta sind das Kriterien für Sekten. Dies zu unterbinden sei Aufgabe der Kirchen und der Politik, fordert sie und verlangt unter anderem Regelungen für den Markt der käuflichen Spiritualität und ein neues Heilpraktikergesetz.

Caberta greift auch Nena und Hape Kerkeling an

"Wir haben eine lange, lange Liste, die zeigt, welch schreckliche Dinge hierdurch schon passiert sind: Von Morden über Kindesmissbrauch, Anleitungen zum Suizid bis hin zu gesellschaftlichen politischen Einflüssen, die zu Katastrophen führen können", sagte Caberta. Für besonders gefährlich halte sie die christlichen Fundamentalisten, von denen sich die Kirchen viel zu wenig abgrenzten. Sowohl ihnen als auch den Esoterikern sei gemein, dass sie den Islam als einen Feind betrachteten. Das müsse dringend angegangen werden.

"Nena geistert ja nun schon seit ich weiß nicht wie vielen Luftballons durch die esoterische Landschaft", sagte Caberta. Die Sängerin sei ein Beispiel dafür, wie über Prominente spirituelle Erfahrungen vermarktet werden können. Sie sei praktisch das Aushängeschild für esoterische Anbieter. Schließlich verkünde Nena immer wieder irgendwelche spirituellen Höhenflüge als "individuell und positiv".

Wenn sich Hape Kerkeling auf den Jakobs-Weg mache, Erfahrungen sammle und anschließend behaupte, er sei "ein Buddhist mit christlichem Überbau", spreche er mit seiner selbst gebastelten Patchwork-Religion viele verunsicherte Menschen an - und riefe damit all die zahlreichen Anbieter auf dem Esoterikmarkt auf den Plan.