RTL News>News>

Seit Schließung der Balkanroute: Zehntausende Flüchtlinge warten noch immer auf ihre Chance

Seit Schließung der Balkanroute: Zehntausende Flüchtlinge warten noch immer auf ihre Chance

Schlagartig saßen die Menschen fest

Vor einem Jahr haben mehrere europäische Länder ihre Grenzen für Flüchtlinge geschlossen. Die sogenannte Balkanroute ist seitdem versperrt. Schlagartig saßen zehntausende Menschen fest – noch immer warten viele von ihnen darauf, dass sich die Grenzen wieder öffnen und sie weiter nach Europa reisen können.

Für einige wenige geht der Traum in Erfüllung, doch die meisten harren unter unwürdigsten Bedingungen aus – ohne Hoffnung auf Besserung. An stark gesicherten Transitzonen lässt Ungarn jede Woche rund 100 Flüchtlinge passieren. Vor allem Familien mit kleinen Kindern haben gute Chancen. Nur wer registriert ist, darf nach gründlichen Kontrollen weiterreisen. "Nur wochentags geht die Grenze auf und nur für genau fünf Minuten", erklärt Übersetzer Hamid Wafa.

Alleinreisende Männer wie Ali Hamsa werden abgewiesen. Der 18-jährige kommt aus Pakistan und würde eigentlich gerne, so schnell es geht, weg aus Serbien. Mehrmals hat er schon versucht, die Grenze zu überqueren. "Geht zurück, es gibt kein Asyl für euch, sagte uns die Polizei in Ungarn und auch in Kroatien. Immer werden wir nach Serbien zurückgeschoben", erzählt der junge Mann. Jetzt lebt er mit anderen in einem alten Grenzbahnhof.

"Was soll ich sonst machen?"

Auch in der serbischen Hauptstadt Belgrad hausen in verlassenen Gebäuden hinter dem Bahnhof Flüchtlinge, die hier gestrandet sind. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. "Müll wird oft einfach weggeworfen, aber es gibt auch viel zu wenig Mülleimer und viel zu wenig Duschen für viel zu viele Menschen", berichtet RTL-Reporter Jürgen Weichert. Eine Mahlzeit gibt es nur einmal am Tag, von Freiwilligen organisiert.

Nur wer sich registrieren lässt, kann in bessere, saubere Camps umziehen. Doch die meisten wollen das nicht. Sie befürchten, dass die dann in Serbien bleiben müssen. Sie wollen weiter in Länder in Westeuropa und vor allem nach Deutschland. Auch Ali Hamsa träumt noch immer von einem Leben in der Bundesrepublik. Er wird weiter versuchen, Serbien hinter sich zu lassen. "Was soll ich sonst machen?", fragt er.