23. September 2016 - 14:47 Uhr

"Das ist jeder Tag, jede Stunde in Aleppo"

Fünf Jahre ist Omran alt und doch hat dieser kleine Junge aus Aleppo offenbar schon jetzt mehr gesehen, als ein Mensch in seinem Leben sehen sollte. Sein Kindergesicht ist schmutzig, beschmiert mit Dreck und Blut. Der Junge wurde zusammen mit seinen drei Geschwistern und Eltern aus den Trümmern ihres völlig zerstörten Wohnhauses gerettet, wird in einem Krankenwagen versorgt. Er schreit nicht, er weint nicht. Sein Blick geht ins Leere. Doch sein Blick ist alles andere als leer, er sagt uns mehr, als viele Worte es vermögen, seien sie auch noch so gut gemeint.

Das Bild des kleinen Omran bewegt die Menschen auf der ganzen Welt. Sein Bild ist eine stumme Anklage gegen den Krieg, gegen die Unmenschlichkeit, gegen die Verantwortungslosen, die diesen Krieg schüren und immer weiter führen, um ihre Interessen mit rücksichtloser Gewalt durchzusetzen.

Die britische Zeitung 'Telegraph' beruft sich bei der Namens- und Altersangabe auf Ärzte. Allerdings ist es fast unerheblich, wie der Junge heißt, wie alt er ist. Denn: "Das ist jeder Tag, jede Stunde in Aleppo." Seit 2011 tobt der Bürgerkrieg in Syrien, aus anfänglichen Protesten ist ein unübersichtlicher Kampf vieler Gruppen, Milizen, Terroristen und des Assad-Regimes geworden. Mehr als 400.000 Menschen sind ums Leben gekommen, Millionen sind auf der Flucht. Viele Menschen wissen längst nicht mehr, worum es bei dem Konflikt geht, der Rest der Welt sieht schon lange nicht mehr hin.

Ein kleiner Junge könnte dies ändern, weil sein Bild jetzt um die Welt geht. Vielleicht wird es zum Symbol für den Irrsinn dieses Krieges, vielleicht trägt es dazu bei, dass die Welt nicht mehr schweigend und tatenlos zusieht, was in Syrien vor sich geht. Dann wäre das Leid des kleinen Omran wenigstens nicht gänzlich ohne Sinn gewesen. Seine äußerlichen Wunden sind versorgt, er hat das Krankenhaus bereits verlassen. Ob seiner seelischen Wunden jemals verheilen, kann niemand sagen.