Sehr hohes Ansteckungsrisiko: USA suchen Ursache für Ebola-Infektion

23. Oktober 2014 - 15:46 Uhr

Weitere Ebola-Infizierte nicht ausgeschlossen

Nach der Infektion einer Krankenschwester bei einem Ebola-Patienten in den USA läuft die Suche nach der Ursache auf Hochtouren. Trotz Schutzkleidung und strenger Sicherheitsvorkehrungen seien die Vorschriften in Dallas im Bundesstaat Texas zu irgendeinem Zeitpunkt nicht eingehalten worden, sagte der Chef der US-Seuchenbehörde CDC, Tom Frieden. Schon ein einziger Fehler könne zur Ansteckung führen.

Sehr hohes Ansteckungsrisiko: USA suchen Ursache für Ebola-Infektion
Nur unter extremen Sicherheitsvorkehrungen dürfen Ebola-Patienten behandelt werden.
© dpa, Jan Woitas

Tests hatten die Infektion der Frau bestätigt. Präsident Barack Obama forderte daraufhin eine rasche Aufklärung. Nach Informationen des Senders CNN will die Behörde nun prüfen, ob die Krankenschwester sich während der Dialyse oder der Intubation zur Beatmung des inzwischen verstorbenen Patienten ansteckte. Mit beiden Maßnahmen sollte der Mann, der die Krankheit aus Afrika in die Vereinigten Staaten gebracht hatte, gerettet werden. Beide Verfahren gelten als äußerst ansteckend und deshalb riskant. Zudem wolle die Behörde untersuchen, ob die Krankenschwester sich beim Ablegen ihrer Schutzkleidung infizierte.

Es ist das erste Mal, dass Ebola in den USA von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Der Gesundheitszustand der Patientin sei stabil, hieß es vom Krankenhaus. CDC-Chef Frieden zufolge enthält das Blut der Frau erst wenige Viren, daher sei die Hoffnung auf Genesung groß. Die Frau habe zu einem Zeitpunkt mit einem weiteren Menschen Kontakt gehabt, als sie sich möglicherweise bereits mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert hatte. Dieser werde nun ebenfalls beobachtet, habe bisher aber keine verdächtigen Symptome gezeigt.

Der nun erkrankten Krankenschwester sei keine Schuld zu geben, sagte Frieden. Das medizinische Personal kämpfe an vorderster Front, um einen Ausbruch der Epidemie zu verhindern. "Der Gegner hier ist ein Virus", sagte Frieden - kein Mensch, kein Land, kein Ort und auch kein Krankenhaus. Er finde es "schrecklich", dass eine Frau, die einem erkrankten Patienten habe helfen wollen, sich nun selbst angesteckt habe.

Der Fall zeigt, dass schon ein einziger falscher Handgriff beim Ausziehen kontaminierter Handschuhe oder Schutzbrillen reicht, um mit dem Erreger in direkten Kontakt zu kommen. Erst kürzlich hatte sich eine Pflegehelferin in Spanien bei einem Ebola-Patienten angesteckt. Sie soll sich beim Ausziehen des Schutzanzugs mit einem Handschuh ins Gesicht gefasst haben.

"Ebola-Infektion in Deutschland sehr unwahrscheinlich"

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht nur ein äußerst geringes Risiko einer Ebola-Infektion innerhalb Deutschlands über eingereiste Erkrankte. "Dennoch bereiten wir uns auf solche Fälle vor." Im gesamten Bundesgebiet gebe es sieben spezielle Behandlungszentren sowie vier spezialisierte Flughäfen mit regelmäßigen Übungen. Mit 50 Klinik-Plätzen sei Deutschland über dem, was "alle unsere Nachbarn hier vorhalten".

Bisher wurden drei nichtdeutsche Helfer auf internationale Anfrage hin zur Behandlung nach Hamburg, Frankfurt am Main und Leipzig geflogen. Deutschland sei auch bereit, weitere Patienten ins Land zu lassen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts deutlich machte.

Aus Angst vor der Krankheit waren indes in den vergangenen Tagen international die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Auf dem New Yorker John F. Kennedy-Flughafen werden Reisende aus Ländern mit Ebola inzwischen auf mögliche Symptome untersucht. Ähnliche Prüfungen sind in Deutschland vorerst nicht geplant.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen weit mehr als 8.000 Ebola-Fälle in den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone registriert. Mehr als 4.000 Menschen starben. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Damit nimmt die Sorge zu, dass sich Ebola auch außerhalb der bislang betroffenen Länder ausbreiten könnte. Ein zugelassenes Medikament oder einen Impfstoff gibt es nicht.