Sechs Jahre nach Eisbär Knut: Berliner Zoo hat neue Attraktion - Pandas aus China gelandet

24. Juni 2017 - 16:31 Uhr

'Träumchen' & 'Schätzchen' beziehen 9 Mio. Euro teures Gehege

Sechs Jahre nach dem Tod von Eisbär Knut sollen zwei Riesenpandas die neue Attraktion des Berliner Zoos werden. Die beiden chinesischen Riesenpandas 'Meng Meng' (zu deutsch: Träumchen) und 'Jiao Qing' (Schätzchen) sind in der deutschen Hauptstadt angekommen. Als Empfangskomitee am Flughafen Schönefeld standen Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der chinesische Botschafter Shi Mingde bereit. Nach ihrem langen Flug werden die Tiere, die mit Pfleger, Tierarzt und Bambus-Vorrat anreisten, in den Berliner Zoo gebracht. Dort beziehen sie ein neun Millionen Euro teures neues Gehege mit chinesischen Pavillons, roten Laternen und einem Kletterspielplatz.

Nur durch einen 'Kuschelzaun' getrennt

An airplane carrying Meng Meng and Jiao Qing, two panda bears, arrives at the Berlin airport in Berlin, Germany, June 24, 2017.    REUTERS/Axel Schmidt
Der Flieger mit Meng Meng and Jiao Qing bei der Ankunft in Berlin.
© REUTERS, AXEL SCHMIDT, ax/DEG

Die tapsigen schwarz-weißen Pandas stammen aus der Zuchtstation Chengdu im Südwesten Chinas. Sie sind Leihgaben auf 15 Jahre, die auch als Teil der chinesischen Diplomatie verstanden werden. Der Berliner Zoo zeigt ab Anfang Juli als einziger Tierpark in Deutschland Pandas - und hofft auf Nachwuchs. 'Träumchen' ist eine aktives Mädchen, aber 'Schätzchen' pennt meistens. Wie soll es da zu kleinen Pandas kommen?

"Pandas sind Einzelgänger", erklärt Pfleger Yin Hong, der beide aufgezogen hat. "Pandas können nicht zusammen sein, weil sie sonst miteinander kämpfen würden."  Nur wenn Pandas jung sind oder in der kurzen Paarungszeit von knapp zwei Wochen im Frühjahr können Pandas zusammenleben. Damit in dieser 'heißen Phase' auch alles klappt, wird vorher schon ein 'Date' für 'Träumchen' und 'Schätzchen' arrangiert: Nur durch einen 'Kuschelzaun' getrennt sollen sie sich näher kommen und aneinander gewöhnen. Die Zeit ist immer knapp.

Kein anderer deutscher Zoo hat Pandas

HANDOUT - Das von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichte Bild zeigt am 24.06.2017 zwei Transportboxen vor einer Frachtmaschine an einem Flughafen in Chengdu (China), in denen sich die Pandas «Meng Meng» (Träumchen) und «Jiao Qing»
Meng Meng and Jiao Qing beim Abflug aus China.
© dpa, Uncredited, vge

Panda-Weibchen sind nur drei bis vier Tage im Jahr fruchtbar, signalisieren das mit Duftmarken. "Da ist natürlich gewisser Druck dahinter", räumt der Berliner Tierpfleger Christian Toll ein. Der 34-Jährige hat sich in Chengdu auf seine verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet. "Wir wünschen uns auch Nachwuchs, aber müssen halt gucken, wie die Tiere miteinander agieren. Und dann werden wir sicherlich einen Weg finden, damit das harmonisch über die Bühne geht", gibt sich Toll zuversichtlich.  

Sechs Jahre nach dem Tod von Eisbär Knut hofft der Berliner Zoo darauf, dass die beiden Pandas und irgendwann hoffentlich ihr Nachwuchs die neuen Publikumsmagneten werden. Kein anderer deutscher Zoo hat Pandas. Der chinesische Präsident Xi Jinping will bei seinem Deutschlandbesuch am 5. Juli mit Kanzlerin Angela Merkel die schwarz-weißen Bären im Berliner Zoo besuchen. "Es wird das wichtigste Foto vom Besuch werden", sagen informierte Kreise. 

Kuschelig aussehendes Wappentier nicht mehr "vom Aussterben bedroht"

ARCHIV - Bauarbeiter verrichten am 13.06.2017 im neuen Panda-Gehege im Berliner Zoo letzte Arbeiten, bevor die Pandas aus China eintreffen. (zu dpa: «Bären im Anflug - Berliner Zoo erwartet chinesische Pandas» vom 23.06.2017) Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Das Panda-Gehege im Berliner Zoo.
© dpa, Wolfgang Kumm, wk lof skm sab

Von 'Panda-Diplomatie' ist die Rede, wenn China mit seinem Nationalschatz seine Softpower weltweit auszuweiten versucht. In der Wildnis und in Zoos gibt es nur mehr als 2.000 - immerhin schon mehr als früher. Der Schutz und die Zucht der niedlichen Bären hat die Populationen wieder steigen lassen. Das kuschelig aussehende Wappentier des globalen Natur- und Tierschutzes gilt heute nur noch als 'gefährdet', nicht mehr "vom Aussterben bedroht".

Um Pandas können nur befreundete Staats- und Regierungschefs bitten. Sie kosten nicht nur politisches Kapital, sondern auch satte Leihgebühren von einer Million US-Dollar im Jahr. "Nicht verhandelbar", wie es heißt. Der Großteil davon fließt in den Artenschutz und die Panda-Forschung, der Rest sind Verwaltungskosten. Die Pandas sind immer nur Leihgaben, bleiben Eigentum Chinas - selbst der Nachwuchs.

Deutsches Wetter passt Pandas gut

In Berlin müssen sich die Pandas an neues Klima, neue Gerüche und neuen Bambus gewöhnen. Die 50 bis 60 Kilogramm, die ein Panda so am Tag verputzt, werden aus den Niederlanden geliefert. Im Wechsel essen und schlafen Pandas. Tag und Nacht. Das deutsche Wetter passt ihnen gut, weil sie es eher kühler und feucht mögen. Auch die Sprache ist neu. Bisher kennen die beiden nur heftigen Sichuan-Dialekt, sollen in Berlin aber nicht Deutsch, sondern Englisch lernen, weil es in der Hauptstadt "international" zugeht, wie es heißt. 

Panda-Pornos, falls es mit der Paarung nicht sofort klappt

Zuchtexperte Yuan Bo hofft darauf, dass die Pandas "auf natürliche Weise Paarungszeichen zeigen", wenn sie in Deutschland sind, sagt der Wissenschaftler. "Im Frühjahr, wenn das Wetter schön wird und die Blumen sprießen."  Wenn es nicht klappt, hat Yuan Bo einen Geheimtipp für die Berliner: "Panda-Pornos", also Videos, auf denen sich andere Pandas paaren - zur Nachahmung empfohlen. "Ja, sie schauen sich das an", beteuert der Experte auf skeptische Blicke.

In der Wildnis schauten Pandas bei ihren Artgenossen zu, aber in den Zoos gehe das kaum. "So setzen wir Filme ein, damit Pandas das Verhalten erlernen", berichtet der Fachmann. "Wenn sie es mögen, schauen sie länger hin. Wenn nur kurz, dann denken sie vielleicht: Ich weiß eigentlich schon wie es geht."