Ferrari-Pilot „ganz entspannt“

Vettels Blick in die Zukunft: Top-Vertrag, Mittelklasseteam oder was ganz anderes?

F1 Grand Prix of Australia - Previews
© Getty Images, Bongarts, CJM

22. März 2020 - 11:50 Uhr

Alter lässt sich nicht ignorieren

Sebastian Vettel droht die Zeit in der Formel 1 davonzulaufen. Die ersten sieben Grands Prix der Saison 2020 sind wegen der Corona-Krise bereits verschoben respektive abgesagt worden. Ob, wann und wie die Rennen nachgeholt werden, ist ungewiss. Vettels Vertrag bei Ferrari läuft zum Ende des Jahres aus. Will der Deutsche auch künftig im roten Renner sitzen, muss er liefern, stellte Teamchef Mattia Binotto unlängst klar. In einem Medien-Interview machte sich Vettel Gedanken, wie seine Zukunft aussehen könnte. Auch einen Wechsel zu einem Mittelklasseteam oder eine völlig andere Herausforderung schloss er nicht aus.

„Es entwickeln sich neue Interessen."

"Mit 20 kann es noch sein, dass in zehn Jahren nicht viel anders sein wird. Aber wenn du 30 bist, ist klar, dass deine Zeit zu Ende geht, auch wenn du es vielleicht gar nicht möchtest. Es wäre dumm, das zu ignorieren", sagte Vettel in einem Interview mit dem F1-Journalisten Roberto Chinchero, das auf motorsport-total.com veröffentlicht wurde. Das bedeute für ihn aber nicht, "dass ich jeden Morgen aufstehe und mich frage, was ich in fünf Jahren tun werde".

Der 32-Jährige geht die ungeklärte Vertragssituation "ganz entspannt" an, da er sich in der glücklichen Position befände, "dass ich verschiedene Dinge ausprobieren kann, wenn ich einmal mit der Formel 1 aufhöre. Ich kann andere Rennen fahren, vielleicht etwas anderes im Motorsport anpacken oder etwas ganz anderes machen."

Er sei in seinem Beruf nun mehr als zehn Jahre um die Welt gereist und habe sich viele Gedanken gemacht. "Es entwickeln sich neue Interessen. Man wird mit der Zeit einfach reifer." Er habe da schon ein paar Ideen, sich aber noch nicht entschieden, denn, so Vettel: "Ich bin ja noch da."

 February 21, 2020, Barcelona, Catalonia, Spain: SEBASTIAN VETTEL GER from team Ferrari in the team s garage at day three of the Formula One winter testing at Circuit de Catalunya F1 2020: Barcelona Testing: Day Three PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY
Noch genießt Sebastian Vettel die Stimmung bei Top-Team Ferrari, wie hier bei den Testfahrten in Barcelona.
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Ob sein Weg nach vielen Jahren, in denen er um den Titel kämpfte, auch zurück zu einem kleineren Team führen könne, wisse er nicht. "Ehrliche Antwort! Ich weiß es wirklich nicht", sagte Vettel und blickte zurück auf seine Anfängt in der Königsklasse. In seiner ersten Saison bei Toro Rosso habe er "um nichts" gekämpft. "Das Jahr darauf war sensationell, weil wir auf einmal mitfighten konnten. Am Jahresende waren wir regelmäßig Top 10."

Sein Umkehrschluss: "Es hängt von der Perspektive ab. Wenn du anfängst, sind Top-10-Plätze super, Top-5-Plätze unglaublich. Wenn du zehn Jahre in den Top 5 warst, dann fühlt sich ein 15. Platz aber plötzlich ganz anders an. Wenn du jahrelang 18. warst und auf einmal 15. werden kannst, ist es das beste Gefühl aller Zeiten."

Was man in seiner Karriere erlebt habe, könne man seiner Ansicht nach nicht rückgängig machen. "Nehmen wir Kimi (Räikkönen): Er fährt nicht mehr um Siege, würde aber gern", sagte Vettel: "Aber du kannst auch Freude dran haben, für dich selbst Rennen zu fahren, ohne zu gewinnen."

Anm.d.Red.: Das Interview wurde am Medientag (Donnerstag) in Melbourne geführt.