Kein klares Statement zum Streit mit Leclerc

Einsilbig, aber kämpferisch: Vettel will sich aus Krise "rausboxen"

20. September 2019 - 13:41 Uhr

Vettel kämpft mit bohrenden Fragen nach der Krise

Charles Leclerc ist der neue Star bei Ferrari, das (Medien)-Interesse am schwer angezählten Sebastian Vettel bleibt aber riesig. Zu seiner ersten Pressekonferenz in Singapur drängten sich am Donnerstag Dutzende Journalisten in den kleinen Raum der Scuderia Ferrari. Sie stellten unangenehme Fragen, die der viermalige Weltmeister überwiegend schmallippig beantwortete.

Kein Karriere-Tiefpunkt

Zu einer Frage gab Vettel allerdings eine klare Antwort. "Nein!", sagte der 32-Jährige als Reaktion auf die Vermutung eines Journalisten, er sei nach dem Monza-Debakel vor knapp zwei Wochen an seinem Karriere-Tiefpunkt angelangt.

Sein Kampfgeist scheint noch geweckt. "Solche Phasen gehören dazu. Ich habe mich in der Vergangenheit da rausgeboxt, das werde ich auch dieses Mal schaffen", sagte der seit 23 Rennen sieglose Hesse.

Vettel: "Auf dem Papier ist es hier schwieriger"

Die beste Antwort auf die herereinprasselnde Kritik wäre zweifelsfrei ein Sieg in Singapur. Viermal gelang Vettel (2011, 2012, 2013, 2015) dieses Kunststück in den verwinkelten Straßen der Löwenstadt, in den beiden vergangenen Jahren aber erlebte er hier passend zu seinem Karriereabstieg herbe Enttäuschungen. 2017 krachte es gleich am Start, 2018 trat er im klar schnellsten Auto an, verwachste aber bei der Setup-Wahl und wurde nur Dritter - es war die Wende im WM-Kampf, den Singapur-Sieger Lewis Hamilton letztlich klar für sich entschied.

Zu seinen Chancen auf den großen Befreiungsschlag sagte Vettel überschaubar optimistisch: "Auf dem Papier ist es hier schwieriger für uns, weil es in Richtung Ungarn geht, und in Ungarn haben wir eins vors Gesicht bekommen. Aber wir haben ein paar neue Teile dabei, die uns das Leben hier hoffentlich vereinfachen werden."

Eiszeit zwischen Vettel und Leclerc

Photo4 / LaPresse 05/09/2019 Monza, Italy Grand Prix Formula One Italia 2019 In the pic: Charles Leclerc (MON) Scuderia Ferrari SF90 and Sebastian Vettel (GER) Scuderia Ferrari SF90 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xPhoto4/LaPressex
Dicke Luft zwischen Leclerc (l.) und Vettel
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Schmallippig wurde Vettel beim Thema Charles Leclerc. Ein Gespräch mit dem Monegassen habe es nach dem Qualifying-Streit in Monza vor zwölf Tagen zwar gegeben (Vettel: "Das gab's!"). Aber gab es eine echte Aussprache? Kam man auf einen gemeinsamen Nenner? Herrscht nun wieder Frieden? All diese drängenden Fragen ließ Vettel mit seiner knappen Reaktion unbeantwortet. In Monza hatte der gefeierte Held der Tifosi dem Teamkollegen den versprochenen Windschatten verwehrt und Vettel damit stark verärgert.

Zumindest außerhalb des Rennwagens kam Leclerc dann aber mal zur rechten Zeit für Vettel. "Ich bin eh fertig. Es wäre unhöflich, ihn warten zu lassen", feixte Vettel, als sein aufmüpfiger Stallgefährte ein paar Minuten zu früh zu seiner Pressekonferenz erschien - und der angezählte Ferrari-Starpilot Vettel die Steilvorlage nutzte, um das lästige Frage-Antwort-Spiel vorzeitig zu beenden.